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Siegfried Mühle

unregistriert

1

Samstag, 20. Januar 2007, 12:33

Sütterlin: Darstellung des "langen s" und des "runden s"

Ahnenforscher werden oft mit der Sütterlin-Schrift konfrontiert. Sie kann als Windows-Schriftart von entsprechenden Internetseiten (siehe auf meiner Website http://tinyurl.com/2wbm58) herunter geladen und in Windows installiert werden. Danach ist es möglich, aus den verschiedensten Anwendungen heraus Texte in Sütterlin anzuzeigen. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Buchstaben "langes s" und "rundes s" im Text nicht richtig dargestellt werden. Beide Buchstaben werde nur als "langes s" (Taste s) angezeigt. Das "runde s" (Taste $) wird fehlerhaft automatisch zum "langen s" gemacht. Hier ist also in jedem Fall manuelle Nacharbeit nötig.
Die Regeln für die Anwendung des "runden s" und des "langen s" im laufenden Text sind auf http://tinyurl.com/2g75jv zu finden.

Siegfried (Mühle)

Siegfried Mühle

unregistriert

2

Samstag, 20. Januar 2007, 19:22

RE: Sütterlin: Darstellung des "langen s" und des "runden s"

Guten Abend Jens,

nachfolgend einige geschichtliche Angaben zur Sütterlin-Schrift.
Diese Schrift war benannt nach dem Berliner Graphiker Ludwig Sütterlin (1865-1917). Er hatte – als Folge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert – im Jahre 1911 vom Land Preußen den Auftrag erhalten, für die seit fast 500 Jahren nebeneinander bestehende lateinische und deutsche Schreibschrift einheitliche Regeln und Schreibweisen zu entwickeln. (Heute wird als „Sütterlinschrift“ jedoch nur die von Sütterlin normierte deutsche Schrift benannt). Im Jahre 1915 wurden beide Schriftarten – auf der Grundlage der Sütterlinschen Arbeit – offiziell an den preußischen Grund- und Volksschulen eingeführt und nebeneinander gelehrt. Die anderen Länder des Reiches folgten zögernd.
Beide Schriften hatten unterschiedliche Anwendungsbereiche.
- Deutsche Schrift: Schriftverkehr der Bürger untereinander, deutschsprachige Zeitungen und Bücher
- Lateinische Schrift: Wissenschaft und Wirtschaft , fremdsprachliche Korrespondenz und Literatur.

Die Gleichrangigkeit beider Schriften endete in der NS-Zeit.
- 09.05.1933: Reichsinnenminister Dr. Frick verfügt „den unbedingten Vorrang“ der Deutschen Schrift.
- 07.09.1934: Durch Erlass des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung wird die Deutsche Schrift verbindlich.
- 03.01.1941: Durch Erlass des Parteisekretärs Martin Bormann im Auftrag Hitlers wird die deutsche Schreibschrift wieder abgeschafft – begründet mit der Judenpolitik der NS-Zeit (siehe http://tinyurl.com/yqomqd).
- 01.09.1941: Durch Runderlass des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung wird die bis dahin noch gebräuchliche Frakturschrift durch die so genannte Normalschrift ersetzt. Ab sofort wurden alle Zeitungen und Bücher in Lateinschrift gedruckt. In den Schulen wurde nunmehr wieder die Lateinschrift gelehrt und angewendet.

In der Besatzungzeit nach Ende des zweiten Weltkrieges war in Deutschland das Benutzen der deutschen Schrift vielerorts durch die Alliierten untersagt worden, weil sie diese Schrift nicht lesen konnten. In den 50er Jahren wurde dann die deutsche Schreibschrift wieder an den Schulen einiger deutscher Bundesländer als zusätzliche Ausgangsschrift gelehrt, konnte sich jedoch nicht mehr nachhaltig gegen die lateinischen Schreibschriften durchsetzen.

Hitlers Entscheidung griff auch tief in das deutsche Alltagsleben ein. Die Kinder lernten nicht mehr die Deutsche Schrift und konnten somit die Briefe der Eltern nicht mehr oder nur noch schwer lesen. Umgekehrtes galt für die Eltern bezüglich der Briefe der Kinder. Das galt nicht nur in der Kriegszeit, sondern auch heute noch, obwohl die alten Menschen, die noch die Deutsche Schrift benutzen, langsam aussterben.
Die heutigen Generationen können kaum noch handschriftliche Dokumente in deutscher Schrift lesen.

Siegfried (Mühle)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Siegfried Mühle« (20. Januar 2007, 19:27)


Schlumpf

Mitglied

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3

Samstag, 20. Januar 2007, 19:58

RE: Sütterlin: Darstellung des "langen s" und des "runden s"

Hallo
Ich denke, über Herrn Sütterlin gibt es genug im Internet.

In hiesiger Schule wurde diese Schrift im Jahre 1921 eingeführt.
Als man im Jahre 1941 dahinter kam, dass Herr Sütterlin eine jüdische Großmutter hatte, verbot man diese Schrift. Im Originalerlass wird auch von den sog. "Schwabacher Judenlettern." geschrieben. Ich denke, den ganzen Wortlaut von 1941 kann ich mir sparen.
Es wurde aber wohl den kindern erzählt, die Sütterlinschrift sei deshalb abgeschafft worden, weil die ausländischen Kinder unsere Schrift nicht lesen könnten. Jedenfalls kam mein Vater erst viel später an den Erlass.
Jedenfalls wird ab 1941 in Deutschland keine deutsche Schreibschrift gelehrt.