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41

Freitag, 14. August 2009, 21:58

Seite 40

1839.

würdest liegen bleiben ! Dieses fehlte nur
noch um Oehl ins Feuer zu gießen, alles kön-
te ich vertragen, nur nicht Hohn. Von Stund
an war er nicht mehr mein Freund, und nie
werde ich einem Menschen wie diesen Opitz mein
Vertrauen wieder schenken.
Exerzierte das Regiment auf dem Heller [l.R.: Febr.]
zur Vorübung, weil und damit die Pferde [l.R.: 20.]
den andren Tag bei einem Manöver vorm [l.R.: 21.]
Herzog von Coburg Gotha besser gehen sollten
Früh beim Ausrücken der Garnison, hatten
wir noch gutes Wetter, aber nach einer
guten Stunde fing es an Schnee und Regen
zu werfen, wobei wir so naß wurden, daß
wohl von der ganzen Garnison kein Sol-
dat einen troknen Faden am Leibe hatte
Und eine Kälte dazu, daß wir uns kaum
rühren konnten.
Eines Abends war ich bei Kotzern erst [l.R.: 25.]
in die Stube getreten und hatte den Säbel
abgelegt, als ich im Hofe von der Feuerspri-
tze reden höre, ich höre zum Fenster hinaus
und erfahre in der Gegend von Übigau sei

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42

Freitag, 14. August 2009, 22:01

Seite 41

ein Feuer. Ich hatte den Feuerritt, schnell eilte
ich in die Caserne, wo noch niemand etwas davon
wußte, ließ schnell satteln und in einigen Minu-
ten trabte ich mit drei Gardisten schon die
Meißner Straße hinunter. Es war aber nicht
in Übigau, sondern in Costebaude [Cossebaude] am linken
Elbufer, folglich konnten wir nicht dahin, wir
ritten bis Cadiz und von da wieder zurük [sic].
Ganz unverhofft kam meine Therese [r. Rand: 28]
wie groß war meine Freude, sie wollte
aber nur auf Besuch nach Räcknitz, um ihrer
Sachen Willen, Ich hatte nicht Zeit gleich mit
zu gehen, sondern ging erst Abend nach der
Stunde hinaus, da war sie aber schon wieder in
ihre frühere Arbeit getreten, ich konnte nicht ein-
mal mit ihr sprechen, denn als s [sic] ich fortging war [r. Rand: März]
sie nicht zu sehen. Auch den andern Tag hatte [r. Rand: 1.]
ich sehr schlechte Laune, und zu allem Unglück
kam Kotzer zu mir und bat mich zu Gevatter
seine Frau war dieser Tage eines kleines Mädchens
genesen. Was sollte ich thun? abschlagen konnte
ich dieß unmöglich, ich sagte also zu, aber ich
nahm mir auch vor nicht zu tanzen bei dieser

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43

Freitag, 14. August 2009, 22:03

Seite 42

Gevatterschaft. Denselben Abend ging ich noch
mit Wintern bei Bärs in der Absicht mich zu
betrinken, welches ich auch redlich erfüllte. [linker Rand: März]
Meine Therese empfing ich den dritten Tag [linker Rand: 2.]
als sie bei einer Verrichtung in der Stadt mit
zu mir kam, ganz kalt, obgleich mein Herz ihr
glühend heiß entgegen schlug. Zwar begleitete
ich sie bis vor den Donaer Schlag, aber unsre
Unterhaltung war die Einsilbigste von der
Welt. Endlich sprachen wir uns aber doch aus, und
dessen Erfolg war, daß ich um ihre Gesundheit
zu schonen, schon versprechen mußte wieder zu
ihr zu kommen. Das war also das so lange ersehn-
te Wiedersehen.
Schon heute ging ich wieder mit Tromplern [linker Rand: 3.]
dahin, obgleich schlechtes Wetter eingetreten war.
Nachmittag holte mich der Wagen zur Kindtaufe [linker Rand: 10.]
ab, der Kutscher hatte schon die Weisung wo ich
die Gevattern abholen sollte. Es waren nämlich
zwei Freundinen der Frau Kotzer, ich hatte
beide schon einmal dort gesehen, Friedericke
Grahl aus Pohla bei Bischofswerda und Henriette
Scholz aus Dresden. Die Heilige Handlung
ward in der kathl. Kapelle der Infanterie Cas-
serne vollzogen. Beim Kindtaufschmause ging es

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44

Freitag, 14. August 2009, 22:04

Seite 43

recht lustig her, und ich war bei sehr guter Lau-
ne. Bei heiterm Scherz verging die Zeit und es
war Abend geworden, bevor wir daran dachten
auf einen Tanzsaal zu gehen. Da mußte ich
nun schon einwilligen, und wir gingen auf Bo-
dens, jedoch überließ ich das Tanzen anderen,
und blieb meinem einmal gefaßten zwar et-
was eigensinnigen Vorsatze getreu. gegen Mor-
gen begleitete ich meine Mitgevatter Grahl
nach Hause, beging auch unterwegs die Thor-
heit, ihr einen werthvollen Ring abzuziehen
welches ich mir den andern Morgen überlegte
und beschloß ihr denselben auf jede Weise
wieder zu zustellen. Abend ging ich auch wirk-
lich hin, wo ich wußte daß ich sie treffen konnte
ich wollte ihr den bewußten Ring wieder geben
aber sie nahm ihn nicht, ich sollte ihn als An-
denken behalten und tragen. Dennoch aber
ward ich ihn kommenden Sonntag los, da ich
sie wieder bei Kotzers traf, welches mich sehr
freute, denn ich betrachtete es als einen sichtba-
ren Beweiß von Untreue gegen meine mir
über Alles theuere Therese. Später war ich
auch einigemal bei Demoiselle Scholz auf der

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45

Freitag, 14. August 2009, 22:05

Seite 44

1839

Scheffelgasse,sie wohnt mit ihrer Mutter allein
und beschäftigt sich mit Putzmachen. Sie hat
schon mehrmal traurige Erfahrungen gemacht, weil
nie die Geliebten ausgehalten haben, den lezten
raffte ihr der Tod nach langen Krankentagen
hinweg, sie hat ihn bis zum lezten Augenblick
nicht verlassen und alles für ihn aufgeopfert
schon deßhalb kann ich sie achten. Jezt scheint
einer meiner Kamraden eine Liebesintrigue
mit ihr anspinnen zu wollen. Ich würde beide
bedauern, denn sie passen nicht für einander.
Auch Demoiselle Grahl hat derartige Erfah-
rungen gemacht, welches mir meine Gevatterin
unter dem Siegel der Verschwiegenheit, wie
alle Weiber mit lockern Zungen, vertraut
hat, sie soll ein Mädchen von 8 – 9 Jahren am
Leben haben, welches sie von einem Menschen
haben soll, dessen Eltern nicht in die Verbindung
Beider willigten. Sie ist im äußern das Ge-
gentheil von D. Scholz, denn jene ist lebhaft
scherzhaft und stets aufgeheitert, diese hingegen
kalt und mehr besonnen, selten sieht man sie
lächeln, eine kalte Ruhe ist über alle ihre

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Freitag, 14. August 2009, 22:06

Seite 45

Gesichtszüge verbreitet, nur das Auge, welches
man wirklich schön nennen kann, zeigt Leben
und Geist und eine edle Seele an. Es scheint
die Absicht von Kotzers mich mit dieser in
nähere Verbindung zu bringen, woraus aber
nichts werden kann, zwar fühle ich mich zu
ihr hingezogen, ich achte sie, aber lieben kann
ich sie nie,. Lieben kann ich nur sie die
mein einziger Gedanke, mein Alles ist. Mei- [rechter Rand: April]
ne Therese.
Ha! triumphirt ihr Bösewichter, vielleicht
bringt ihr mich noch zur Verzweiflung, und dann
könnt ihr euch an meinem Unglück laben. A-
ber schreckliche Rache demjenigen den ich früh
oder spät als Thäter entdeke, er möge sein wer.
er wolle, Unteroffizier oder Gardist, meine
Rache wird ihm ereilen, auch wenn er sich noch
so sicher dünkt. Gestern Abend ich bei Kotzer
es war niemand mehr in der Stube; ich schloß
die Thüre zu und hänge den Schlüßel wie ge-
wöhnlich am einen Gewehrnagel, halb zehn Uhr
komme ich zu Hause, die andern sind noch nicht
da, ich schließe die Stube selbst wieder auf,
mache Licht, will dann meinen Tischkasten
aufschließen, suche deßhalb den Schlüßel in

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47

Freitag, 14. August 2009, 22:08

Seite 46

allen Taschen ohne ihn jedoch zu finden, endlich
werde ich gewahr daß derselbe ja noch im Schlosse
stekt, und ich ihn also als ich fort ging nicht abgezo-
gen habe, ich zog ihn also nun ab, es kamen meine
Kameraden zu Hause, und wirgingen schlafen. Den
andern Morgen stand ich etwas spät auf, als ich
in die Stube trat, kam auch mein Kochdienst
und wollte Menagegeld zum Einkaufen haben,
ich schloß den Kasten auf, rechts stand eine Schachtel
worin ich das Menagegeld aufbewahrte, als ich sie
heraus nahm und öffnete fand ich blos einen Dreier
noch darin, alles Blut, war mir zwar ins Gesicht
gestiegen, ich traute meinen Augen kaum, aber
ich wendete mich schnell um daß der Gardist
meinen Schrecken nicht gewahren sollte. Ich
hatte noch mehr Cassen, deßhalb greife ich schnell
nach der nächsten der Casse eines Gardisten welchen
ich bewirthschaftete, auch diese leer __ und so
auch in der Dritten. Nun hatte ich mir im
Winter 2 Thaler bei einem Landsmann geborgt
diese hatte ich unter meine Papiere gelegt, denn
ich wollte sie ihm Morgen wieder bezahlen, die-
se 2 Thaler waren noch da, mit diesen mußte
ich mir für den Augenblick helfen. Aber was
nun anfangen, es beträgt nicht weniger als

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48

Freitag, 14. August 2009, 22:09

Seite 47

8 Thaler 15 Groschen 7 Pfennige, mit was den De- [r.R.: April]
feckt decken? ich muß sehen wo ich eine Mit-
menschen Seele treffe, welche mir noch einen
Vorschuß machen kann. Nachmittag war mein [r.R.: 20.]
Mädchen hier, sie ging aber bald wieder fort weil
sie noch Verrichtungen auf mehreren Orten hat-
te, wir wollten uns an der Post treffen, ferfehl-
ten uns aber weil sie zum Dohnaer- und ich
zum Dippoldiswälder Schlage hinaus ging, drausen
erst zusammen kommend, begleitete ich sie bis
nahe an Räknitz, meinen Kummer konnte ich
ihr nicht mittheilen, denn sie hätte sich eben-
falls Sorgen gemacht, und so war dieses wenig-
stens zu vermeiden. Nur bei Kotzers, wo
mir Beide meinen Kummer ansahen, entschloß
ich mich zu entdecken, welche mir zwar ihr Be-
dauern schenckten, aber mir doch nicht hätten
helfen können. Mein Landsmann Simank borg-
te mir noch ein par Thaler, womit ich doch eini-
ge Zeit wirthschaften konnte, bis wieder der
Löhnungstag heran kam. Auch mein Vater kam
diese Zeit zu mir, er war gleichfalls in mißli-
chen Umständen; nähmlich, die Klosterherrschaft
wo er nun schon so lange als Unterthan betrach-
tet worden war, verlangte auf einmal nun
einen Haimathschein, wo soll mein Vater, ein

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Samstag, 15. August 2009, 07:18

Seite 48

1839

geborner Böhme, diesen hernehmen, in seinem
Geburtsorte kann er keinen bekommen, denn
er ist schon 40 Jahr von dort weg.Ich war wegen
dieser Sache zweimal beim Auditeur, wo ich [linker Rand: April.]
jedoch wenig Trost erhielt. Erblieb [sic!] einen Tag
hier, und ging dann von hier nach Bischofswerda
bei einem Advokaten, um sich dort Rath zu [linker Rand: 30]
holen.
Kotzers hatten aber auch nicht reinen Mund
erhalten, sondern hatten meine Verlegenheit
der D.* Grahl mitgetheilt, welche jetzt auf dem
Weinberge mit ihrer Herrschaft ist und selten
herein kommt. Eines Tages kam Kotzer her
und sagte ich sollte gleich mit zu ihm kommen,
es wäre jemand da. Ich ging mit, es war
D.* Grahl, nun äußerte sie weiter nichts als
daß ich ein Stück mitgehen sollte, welches ich
denn auch that, da fragte sie auch um die nä-
heren Umstände meines Unglücks, und erbot
sich mir aus der Verlegenheit zu helfen, wenn
ich morgen auf den Weinberg kommen wollte.
Was war zu thun, sollte ich ihr Anerbieten ab-
lehnen, und mich im der Gefahr stecken las-
sen, in der ich jetzt war? Nein, da es so
weit gekommen, mußte auch dieses gewagt wer-

* D[emoiselle]

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Samstag, 15. August 2009, 07:21

Seite 49

den. Den andern Tag war ich bei ihr auf dem [rechter Rand: Mai]
Weinberge, und erhielt 7. Thaler in Papier von [r.R.:16.]
ihr, mit der Bemerkung, mit der Auszahlung
könne ich mir Zeit nehmen. Nun war mir
geholfen, aber mein Mädchen, diese darf es
nie erfahren, sie würde sich gewiß sehr darüber
grämen, daß ich von einer Andern eine sol-
che Hülfe angenommen.
Ich war mit Hanken auf dem Russen [r.R.:20.]
und im weißen Roß, wo wir fast die ganze
Nacht zu brachten und erst gegen Morgen zu [r.R.:Juni]
Hause kamen. Später war ich wieder einmal
Sonntags auf dem Russen, mit Corp. Löffler [r.R.:16.]
und seinem Mädchen, es war ein sehr hei-
ßer Tag, ich litt wieder an den Augen, und
dort schonte ich mich nicht, erhitzte mich im
Tanzen, und trank tapfer dazu, welches zur
Folge hatte, daß ich den andern Tag nach dem
Exerzieren mich krank melden mußte, wel-
ches auch bis zum 28,ten dauerte.
Meine Therese wechselte nun ihren
Dienst, weil die Herrschaft auf einen andern
Ort zog, wohin sie nicht folgen wollte. Sie
kam nun auf die Schreibergasse, und in
keiner Wirthschaft, welches mich sehr er-
freuete, denn nun können wir uns wieder

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Samstag, 15. August 2009, 07:24

Seite 50

1839

(Randbemerkung: Juli 6.)

öfter sehen und sprechen.
Das 300 jährige Jubiläum des Reformation
war ein Fest welches alle Bewohner der
Residenz in Bewegung brachte; Mein Vater
kam zufällig auch denselben Tag her, wir
gingen Nachmittag in der Stadt herum und
sahen die verschiedenen Dekorationen an.
Gegen Abend waren wir bei Kotzers, mein
Vater war müde, ich mußte jedoch in die Caser-
ne, denn mein Mädchen konnte in meiner Ab-
wesenheit gekommen sein. Auch D. Grahl wollt
Abend zur Illumination herrein und bei Kotzers
kommen. Ich ging also alleine in die Caserne,
hier erwartete mich mein Mädchen schon, was
sollte ich aber nun machen, mein Vater war noch
dort, und sollte doch Abend mit uns herum gehen
Meine Therese ging nun mit, ich halte den Vater[?]
weg, und nun ging es bis in die 11t Stunde in
der Stadt herum, am Neumarkte nahmen wir
gute Nacht von ihr und gingen zu Hause -
Mein Vater reichte ein Memorial an den
König ein, wegen seiner Heimatsstreitigkeit
mit der Herrschaft, Er ging folgenden Tag nach
Pillnitz, wo sich das königliche Hoflager befindet.

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Samstag, 15. August 2009, 07:26

Seite 51

(Randbemerkung rechts: Juli)
Ganz vergnügt waren wir eines Sonntags spaziren [r.R.: 21.]
gewesen und gingen bei Bärs, woselbst ich mit Trom-
plern im Lusthause Puff spielte, mein Mädchen
saß daneben, und trieb daß sie zu Hause wolle
und es war doch erst in der 9tn. Stunde, darüber
ward ich ärgerlich und ging dennoch nicht, sie sagte
zwar nur im Scherz: Du kannst hier bleiben ich
werde mich schon selbst zu Hause finden. In
einer Weile ging ich jedoch mit, aber ich sprach
den ganzen Weg kein Wort, am Altmarkte
nahm ich frostig gute Nacht und ging ärgerlich
zu Hause, so kann uns manchmal ein zur Unzeit
gesprochnes Spaßwort um das Glück vieler
Stunden, Tage ja sogar Jahre bringen. So lange
wird es zwar hoffentlich bei mir nicht dauern.
Den zweiten Abend war ich zur gewöhnlichen
Zeit drüben, konnte sie aber nicht erblicken, den
dritten gleichfalls ohngeachtet des heftigsten
Regens, aber ebenfalls ohne sie zu sehen. Deß-
halb schrieb ich ihr am vierten meine Meinung
ohne Zaudern, und erhielt am Sonnabend einen
Brief, worin wieder die rosige Laun der Ver-
söhnung herschte, und Sonntag waren wir wieder [r.R.: 28.]
vergnügt bei einander.

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53

Samstag, 15. August 2009, 07:27

Seite 52

Im September ging das Regiment ins Cantone-
ment bei Oschatz ab, Ich blieb hier auf Hern-
wache kommandirt, da verwendete ich freie Stunden
gröstentheils zu Erforschung eines für mich pas-
senden Dienstes, der ehemalige Corp. Aunaß ver-
sprach mir, auch dabei behülflich zu sein. Auch
fand sich unter andern ein Reitknecht beim

(Randbemerkung: Sept.)

Herrn Beier in Bernsdorf bei Königsbrück, Wegner
war erst dort gewesen und kam von da nach Moritz-
burg in die Ställe. Nun konnte ich aber nie selbst
mit dem Herrn sprechen, und das Lohn war mir zu
wenig deßhalb verzögerte es sich bis die lezten
Tage wo ich dann nicht den Abschied sondern wie-
der neue Dienstzeit annahm.
Während der Zeit ging ich öfters bei meinem
Landsmann Simark auf der Töpfergasse, dort
waren immer viele Landsleute beisammen, es
wurde gröstentheils um vieles Geld gespielt, ich
selbst ließ mich endlich bereden, ich spielte mit
und verlor in einem Abend 2 r, 12 g, den an-
dern dachte ich mirs wieder zu holen, und ver-
lor wieder 1 r, 17 gr. Dieses hatte mich aber
recht von meiner Spiellust geheilt, ich spielte

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Sonntag, 16. August 2009, 20:49

Seite 53

seit der Zeit kein Blatt mehr dort. Eines Sonn-
abends sagte mir das dortige Dienstmädchen auch
eine Landmännin, sie würde morgen weggehen und
mich mit besuchen, ich äußerte es würde mir recht
lieb sein, wußte aber schon das meine Therese
ebenfalls kommen wollte. Nun dachte ich aber
den anderen Tag nicht mehr daran, als Nachmittag
wir hatten grade Pferde blank draußen, dieses
Mädchen wirklich kam, ich hatte noch nicht Zeit
in die Stube zu gehen, gab ihr deßhalb den
Schlüßel und ging in einer halben Stunde ohn-
gefähr hinauf, da stand sie noch auf dem Gange
und wartete, denn es war ihr alles zu fremd.
Wir saßen in der Stube nebeneinander, als ich
meine Therese die Treppe herauf kommen
hörte, als sie herein trat, wechselte sie die
Farbe und wollte in der Thüre stehen blei-
ben, dann meinte sie sogar, sie sei wohl übrig?
und wüde[sic] gleich wieder gehen. Jene, welche
sah daß hier ein Gewitter im Anzuge sei, ließ
sich auch nicht halten, und ging fort. Trotz
allen Bitten und dem Erbieten ihr ja alles
zu erklären, ging Therese dennoch fort, ob
gleich ich ihr auch sagte, wenn sie meine

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Sonntag, 16. August 2009, 20:51

Seite 54

1839

Rechtfertigung heute nicht hören wolle, so habe
sie nie eine zu hoffen. Sobald es die Zeit erlaubte
setzte ich mich hin und schrieb einen Brief, wie
ihn dieses Betragen, und ihre unnöthige Eifer-
sucht verdient hatten. Auch denselben Abend noch
mußte sie ihn lesen, denn um 9. Uhr schickte ich
denselben noch mit einem Gardisten hin.
Bald bekam ich Antwort ob gleich ich keine
haben wollte. Aber mein Herz hüpfte doch
für Freuden, beim Lesen, o und ich konnte
kaum die Zeit erwarten, wenn ich wieder
mit Dir Geliebte sprechen kann.
Endlich rückte das Regiment wieder in Dres-
den ein, als dann gingen die Abschieder ab, und
ich blieb auf neue Dienstzeit. Den zweiten Tag
kam Herr Beier nach Dresden und wollte mit
mir sprechen, nun war es zu spät, und er muß
sich um einen andern umthun.

(Randbemerkung: Octbr.)

Ich nahm auf 12 Tage Urlaub, und besuchte
meine Eltern. Diesesmal waren mehrere Schul-
kameraden zu Hause, da habe ich vergnügte Tage
gehabt. Zwei Tage verlebte ich ganz in Crostwitz
bei meiner Schwester. Auf meiner Rückreise
begleiteten mich zwei Mädchen, eine aus meinem
Orte Marie Schusten die andre war bei Pillnitz
her.

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56

Sonntag, 16. August 2009, 20:52

Seite 55

Mein Mädchen ging plötzlich außer Dienst
und will nach Hause, ich habe sie beredet Mor-
gen noch hier zu bleiben, und mit aufs
Schulgut zu gehen wo ich den Schenkhausdienst
erhalte. Sie blieb die Nacht bei Bärs, ich
holte sie den andern Tag mit Tromplern ab,
und gingen von da aufs Schulgut. Als wir
eine Zeit dort waren, wurde ihr Unwohl
und sie konnte es nicht mehr aushalten, ich
ging also mit, da sie zu Hause gehen wollte und
begleitete sie bis bei Bärs vor die Thüre.
Montag Mittag ging ich wieder hinaus und
nun mit nach Stolpen, wo ich bei ihrer
Schwester mit blieb, bis Nachts 12 Uhr dann
meine Schritte wieder gegen Dresden lenkte
und todmatt hier anlangte. Diese Nacht bleibt
mir denkwürdig und ich fühle mich wie zer-
schlagen und meine Glieder schwer wie Blei.
Wir wechselten ein par Briefe dann war
sie auf einmal wieder da, und was ich mir
vermuthe, so will sie die alte Bären wie- [rechter Rand: Novbr.]
der haben, mag sie nur machen, ich habe
es bald satt mich immer während mit ihr
zu ärgern. Auch dieses mal ging ich wieder
mit bis Stolpen, unterwegs, es war sehr,

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Sonntag, 16. August 2009, 20:53

Seite 56

schlechtes Wetter, war sie ziemlich wortkarg
welches ich gewiß nicht verdiente. Da nun dieses
Übel langere Zeit anhielt ging ich so gar voraus
welches ihr alles gleichgiltig schien. In Weißig
ging ich in den Gasthof und ließ sie vorüber
gehen, da erwartete sie mich, hier brach ich
aber wieder mit der Sprache los, ich konnte mir
nicht helfen, die Thränen traten mir selbst in
die Augen, ich ging noch weiter mit, als wir
einen jungen Burschen aus Stolpen trafen, wel-
cher ebenfalls nach Hause wollte, Therese kannte
ihn gut. Auf dem Schenkhügel kehrten wir
nochmals ein, wo ich tapfer trank, nun ging die
Reise weiter, endlich kamen wir in Wilschdorf
an, woselbst ich gegen ihren Willen abermals
einkehrte, dort bestellte ich mir einen Wagen
da wollte sie wieder nicht fahren. Jedoch ich
ging nun einmal nicht anders ab. Sie ging
immer voraus, der Bursche hatte zwar eine
Laterne mit, ich aber ging mit dem Bauer
mit nach dem Wagen, welches eine Zeit lang
dauerte und ich endlich vors Dorf kam sah
ich nirgends keinen Wagen Laterne mehr. Aus
Ärger nahm ich gleich einige Leute aus

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Sonntag, 16. August 2009, 20:55

Seite 57

Stolpen welche unterwegs waren in den Wagen
auf. Als wir fast am Rennersdorf heran
kamen holten wir meine Therese ein, sie
stieg ein und ich Thor nöthigte sie dazu, da-
mals sollte ich sie unbedingt stehen lassen,
denn, das war zu viel Eigensinn, welchen sie
dort zeigte. So gehts aber, wir Männer sind
auch nicht so stark, als wir scheinen wollen.
Als wir oben ankamen ruthe ich gar nicht
lange, sondern ging noch auf den Rathskeller
woselbst ich bis um zwölf blieb. Nachher legte
ich mich noch eine Stunde nieder und ging in
der 2 ten Stunde wieder fort. Dieses mal ging
es etwas besser als das erstemal, wenig-
stens plagte mich der Schlaf nicht so sehr
und ich kam noch zeitig genug in die Caserne.
Zum Weihnachtsfeiertagen war ich ebenfalls [rechter Rand: Decbr.]
wieder in Stolpen auf zwei Tage beurlaubt.
ich war gröstentheils bei meiner Therese.
Zum Neuen Jahre kam sie wieder nach Dres- [r.R.: 1840]
den, in Dienst bei Bärs zum drittenmal,
die Alte hatte sie richtig beredet, ich kann
ihrs natürlich nicht verbieten, aber Gott
gebe daß es ihr dießmal nicht, gereuet
obgleich ihr die Alte große Versprechungen

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59

Sonntag, 16. August 2009, 20:56

Seite 58

1840

gemacht hat. Denn ich habe keinen Glauben an
diese Versprechungen.
Zu dieser Zeit konnte ich nicht mehr länger
schweigen, sondern machte meine Therese sowohl
als D. Grahl mit meinen Verhältnißen be-
kannt, ersterer stellte ich alles von Anbeginn
vor und wie und auf welche Weise ich mit lezte-
rer bekannt worden war, gestand ihr auch daß
ich treulos genug gewesen war lezterer nicht
alle Hoffnung wegen meiner zu nehmen, und
folglich einen großen Theil der Schuld selbst
trug. Dieser hingegen bekannte ich meine wahr-
en Gefühle aufrichtig, gestand und versicherte
ihr meine Achtung und Dankbarkeit, aber auch
daß ich nur meine Therese wahrhaft lieben kön-
ne. O, wie glücklich bin ich Beide haben mir
ihre Verzeihung zugesichert, und nun darf ich nicht
mehr fürchten, daß ein unbewußter neidischer Zwi-
schenträger auftritt, der meinen Frieden stören
könnte. Ich ging aber jetzt nicht so öfters mehr
bei Bärs, als früher, höchstens wöchentlich zwei-
mal. Selten kann sie aber auch einen Sonntag
nehmen, und wir können also selten miteinan-
der weggehen

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Sonntag, 16. August 2009, 20:57

Seite 59

1840

Eines Sonntags waren wir im Plauschen Grunde
wo mich die Schönheit der Natur entzückte, wir
kletterten bis wir recht ermüdet waren. Später
waren wir auch auf dem Steiger, wo es uns
gleichfalls recht gut gefallen hat.
Nun kam ich eines Abends bei Bärs, als
Stammgast daselbst ward ich nicht zu meiner Zufrie-
denheit aufgenommen, welches ich zwar schon längst
gemerkt hatte, daß sie mich lieber gehen als
kommen sehen, denn sie hatten eigne Absichten mit
meiner Therese, welchen ich aber gradezu im
Wege stand. Ich machte aber kurzen Prozeß und
ging nicht wieder hin. Wenn ich mit ihr spre-
chen wollte ging ich in eine etwas entfernte
Wirthschaft, von wo aus wir uns nur zu Zeit und
Stunde treffen konnten. Eines Abends kommt
ein Landsmann sehr spät in der 10ten Stunde zu
mir, der hatte mich bei Bärs aufgesucht, nicht
wissend daß ich nicht mehr hinkomme. Er sagte
mir als ich ihn fragte, wer dort war, daß meine
Therese mit zwei andern Frauenzimmern, welche ich
schon kenne, und einer Mannsperson gespielt
habe. O, hatte er mir dieses nicht gesagt, es war
wieder eine Hiobspost für mich, sie hatte mir ja
versprochen, als wir uns kennen lernten, nicht
wieder zu spielen, ich hatte ihr meine Meinung