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gabi610

Mitglied

  • »gabi610« ist der Autor dieses Themas

Wohnort: Offenbach/M.

Vereine: bis vor kurzem eigener Verein "Förderkreis für die Geschichte Primkenaus"

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1

Freitag, 18. November 2011, 00:13

"Gärtner" -was war das im 19. Jahrhundert?

Ihr Lieben, nachdem ich nun den 2. Tag hier mit Lesen zubringe, möchte ich Euch erstmal ein großes Kompliment machen. Es ist ein absolut wertvoller Ort hier, der keine Wünsche eines Ahnenforschers offen lässt. :) So viele wirkliche Experten und so viel Hilfsbereitschaft! Ich bin überwältigt und soooooo glücklich, dass ich dieses Forum gefunden habe. :love: Ich bin natürlich noch lange nicht fertig mit Durchlesen und Nachholen, dennoch hoffe ich, dass auch ich über kurz oder lang von einigem Nutzen sein kann. Es ist so toll, unter Gleichgesinnten zu sein!

Nun aber zu meiner Frage: Unter meinen bäuerlichen Vorfahren aus Niederschlesien befanden sich etliche "Gärtner". Was genau bedeutet diese Bezeichnung? Ich habe dazu noch keine wirklichen Antworten gefunden....

2

Freitag, 18. November 2011, 09:06

Hallo Gabi,

also, "meine Gärtner" in Düsseldorf-Hamm haben damals vorwiegend Gemüse angebaut und die Städter damit beliefert. Heute liegt der Schwerpunkt auf Blumen.

Viele Grüße
Simone
Viele Grüße,
Simone

Familiennamen // Blog zur Familienforschung



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3

Freitag, 18. November 2011, 09:47

Hallo Gabi,

im Gegensatz zu einem Bauern, der Hufen besaß, hatte ein Gärtner als Einwohner eines Ortes nur Gartenland, das er als Kleinbauer bewirtschaftete. Der Garten lag meist am Rande des Ortes oder außerhalb der Ortseinfriedung. Mit einem Gärtner im heutigen Sinne hat das nichts zu tun.

Gruß
Detlef

4

Freitag, 18. November 2011, 14:39

.. oder er war im wahrsten Sinne des Wortes für den Garten eines Klosters, Abtei oder eines herrschaftlichen Hauses verantwortlich und wurde dafür entlohnt.
Gruß Jogy

5

Freitag, 18. November 2011, 15:14

Hallo Gabi,

unter den Paten eines Vorfahren von mir, 1744, findet sich auch bei mir ein Gärtner.

Originaltext: Paten: 1. , 2. , ... 3. Tis Rudolf Fin, der hiesige Gärtner auf Farve, von Hamburg bürtig.

Da es ein Gutsbetrieb war, nehme ich auch an, das er für den Garten (Gemüse, Kohl oder ähnliches) zuständig war.

Viele Grüße, Ursula
Viele Grüße :) Ursula

Wohnort: Weserbergland

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6

Freitag, 18. November 2011, 18:28

Detlef05 hat exakt recht.
Es gab, je nach Besitzgröße, "Gärtner", "Klein-" und "Großgärtner". Wobei eben der "Kleingärtner", nichts mit dem heutigen "Klein-" oder "Schrebergärtner" zu tun hat.
»henrywilhelm« hat folgende Datei angehängt:
  • gärt.jpg (30,48 kB - 20 mal heruntergeladen - zuletzt: 23. November 2015, 19:37)

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »henrywilhelm« (18. November 2011, 18:43)


Gisela

Mitglied

Wohnort: bei Heidelberg

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7

Freitag, 18. November 2011, 19:19

Ein Garten ist im Wortsinn ein mit "Gerten" (verwandtes Wort) umzäuntes Stück land, später auch einfach ein irgendwie umzäuntes Stück Land. Dabei spielt es vorerst keine Rolle, welche Pflanzen dort angebaut wurden, das können auch Kartoffeln sein, oder Gras für das Winterfutter der Tiere, oder was auch immer.
Die Einteilung in Landwirtschaft (Getreide, Kartoffeln, Raps etc.) einerseits und Gartenbau (Zierpflanzen, Gemüse, etc.) ist relativ modern und auf frühere Zeiten nicht bzw. nur mit großer Vorsicht anzuwenden.
Auch heute sind ja die Übergänge noch fließend, z.B. im Obstbau, und im extensiven Anbau von Hülsenfrüchten, wo wir ja die letzteren, sobald sie im Supermarkt angekommen sind, beim Gemüse einordnen.

Ein Gärtner war ein Besitzer bzw. ein Nutznießer eines solchen "Gartens". An dieser Stelle passen dann die oben genannten Umstände ins Bild, denn selbverständlich gab es auch hier Unterschiede in der Größe, und in den Abhängigkeitsverhältnissen der Gärtner, je nach Region und Zeitraum.

Außerdem bestanden im gleichen Zeitraum solche Gärten, die wir auch heute noch so bezeichnen würden, z.B. die Klostergärten. Aber auch hier besteht insgesamt das Merkmal des Umzäunt seins.

Aus dem genealogischen Lexikon hier noch einige Hinweise, was man alles unter dem Begriff Gärtner verstehen kann:
- Bauer, geringer Bauer, ... Hopfengärtner, Weingärtner, etc.....
....
- "Im östlichen Deutschland heißen die Brinksitzer, Kätner, Kossäten, Kötter usw. ein Bauer ohne ohne Feld, ein Freigärtner, Erbgärtner. Die Hintersässler, die keinen Acker, dafür aber einen Garten hatten. Es waren Kleinlandwirte.

"Nicht zum Berufsbild gehört die Blumenbinderei oder der Blumenhandel."

Dazwischen stehen auch noch Berufsbeschreibungen, die dem heutigen Begriff des Gärtners nahe kommen oder teilwiese auch übereinstimmen. Es ist also ein weiter Begriff, und wenn man genau wissenwill, was ein bestimmter Vorfahre nun wirklich betrieben hat, muß man woh regionalgeschichtlich forschen.
Viele Grüße
Gisela
Ein Jegliches Ding hat seine Zeit, und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde
Derzeitige Lieblingsbaustellen: GRUNER u. LINCKE, Sachsen, ab 1849 auch Schweiz. WURMSER von Schaffoltzheim, Bormio, Schweiz, Elsaß, Heidelberg. STREICHER, Ulm, 16. Jhdt. (Schwenckfelder). WERNBORNER, Hessen u.a.

Lupus

Mitglied

Wohnort: Schwerin

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8

Freitag, 18. November 2011, 22:25

Hallo und als Ergänzung

Kunstgärtner und Hofkunstgärtner sind mir auch schon untergekommen. Sicher hatten sie etwas mit Blumenbinderei zu schaffen.

Gärtner hatten auch etwas mit den Förstern zu tun. In einer Inventarliste von 1706 hatte der Gärtner dem Förster allerlei Werkzeug, wie Äxte und Sägen, übergeben. Später gab es manchmal Streit zwischen dem Förster und dem Gärtner. Der Gärtner hatte die Aufgabe Bäume anzupflanzen und der Förster hatte sie geerntet. Gärtner gehören zu den Pionieren einer geordneten Forstwirtschaft. Im 18.Jh. habe ich sie nur als Angestelle von Herrschaften gefunden.

Beste Grüße Lupus
Nicht Gold hat die Welt verändert, es war das Blei.
Nicht das Blei aus der Flinte, eher das Blei aus dem Setzkasten (Willi)

Gisela

Mitglied

Wohnort: bei Heidelberg

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9

Samstag, 19. November 2011, 09:12

Hallo Lupus,
ja sicher gab es diese Gärtner auch schon früh. Mit der Blumenbinderei hatten sie allerdings weniger zu tun, sondern sie legten z.B. diese kunstvollen Barockgärten und Parks an. Natürlich gab es sie auch schon vor dem Barock, z.B. in der Renaissance. Ich habe diese Variante, die auch in dem Lexikon erwähnt wird, hinter den ... versteckt, weil sie in diesem Zusammenhang eher weniger in Frage kommt.
Die Orangerien bzw. deren Anlage und Pflege und die Glashäuser, in denen exotische Pflanzen (eines der Statussymbole vieler Fürsten) überwintert wurden, gehören auch in diesen Bereich.
Auch diese Bezeichnung eines Gärtners stammt im ältesten Ursprung aus der Vorstellung eines umzäunten Stückes Land.
---
Alles in allem: zur gestellten Frage: im 19. Jhdt. kann ein Gärtner sowohl ein Besitzer oder Nutznießer eines umzäunten Grundstückes sein (was auch immer darauf angebaut wurde), als auch schon ein Gärtner in heutigem Sinne. Um konkretes über den einzelnen Vorfahren zu wissen, helfen nur 1. weitere Forschungen oder 2. es findet sich noch jemand, der sich mit den entsprechenden Gegebenheiten in Schlesien im genannten Zeitraum auskennt.
Ich bin mir aber ziemlich sicher, falls es sich um einen Hofgärtner gehandelt hätte, hätte es dort auch deutlich gestanden.
Ich gehe daher eher von einer Art Kossät aus.
Viele Grüße
Gisela
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10

Samstag, 19. November 2011, 10:52

Hallo,

auch wenn ich nicht Gabi 610 bin, möchte ich mich trotzdem bei euch bedanken, denn ich habe auch einen Gärtner in meiner AL und jetzt kann ich mir, nach eueren ausführlichen Erklärungen hier, zumindest etwas darunter vorstellen :)
Viele Grüße

mini

jsproede

Moderatorin

Wohnort: Unterfranken

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11

Samstag, 19. November 2011, 11:39

In Schlesien waren Gärtner und Erbgärtner gängige Begriffe , darum schließe ich mich dem Beitrag von Detlef an.
Alles andere halte ich für zu weit hergeholt.

VG
Jutta

12

Sonntag, 20. November 2011, 22:34

...vielleicht auch interessant...

Gärtner:
ländliche Arbeiter, die seit dem 16. Jhrh. auf Domänen und Gütern beschäftigt werden. Sie erhalten freie Wohnung, Gartenland,
wohl auch 2 bis 3 Morgen Acker (deswegen "Morgener" genannt), 3 bis 6 Rtl. bar und Naturalien ( Getreide, Kuhweide, Heu, Brennholz)
sowie den 10. oder 11. Schffl. beim Dreschen. Diese "Lohngärtner" oder "Schlechten Gärtner" sind von den ein eigenes Häuschen
besitzenden Kölmischen Gärtnern in den Dörfern zu unterscheiden.
Im 19.Jhrh. wurden die Gärtner durch die Instleute ersetzt.

Quelle: So 18 des VFFOW- Was waren unsere Vorfahren? Amts-, Berufs- und Standesbezeichnungen aus Altpreußen (Königsberg, Pr. 1938)
Viele Grüße Bianka

:?: Suche Spuren von Anton Weil *1740 ???, + 1797 in Heiligenbeil :?:

gabi610

Mitglied

  • »gabi610« ist der Autor dieses Themas

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13

Mittwoch, 23. November 2011, 17:09

Ich möchte mich ganz herzlich für die engagierten Antworten bedanken!

Es ist einfach toll, soviele interessierte und kundige Menschen hier zu treffen! :)
Ich habe jetzt eine Menge dazugelernt.

gabi610

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14

Mittwoch, 23. November 2011, 18:11

":?: Suche Spuren von Anton Weil *1740 ???, + 1797 in Heiligenbeil :?:"

Bianka, ich lese das gerade...

Weißt Du etwas über die Nachfahren des Anton Weil?

Ich habe einen Uropa, Wilhelm Weil, geboren 1864, allerdings soll er aus der Gegend Gumbinnen stammen. Das war ja aber nicht sooo weit weg. Außerdem ist es ungesichert.