Search Forum



Our Magazines

Dear visitor, Welcome to Forum zur Ahnenforschung . If this is your first visit here, please read the Help. It explains how this page works. You must be registered before you can use all the page's features. Please use the registration form to register here or read more information about the registration process. If you are already registered, please login here.

  • "Willi Beutler" started this thread

Societies: VfFOW

  • Send private message

1

Saturday, October 6th 2012, 6:19pm

Gerichtliche Trauung

In nachstehend aufgeführtem Taufeintrag wird angemerkt, dass es eine gerichtliche Trauung gab.

Friedrich Wilhelm Christian, Sohn des Christian Beckman, Kolonist, und der Wilhelmine Sens, wird am 26.09.1868 um 4.00 h in Neuhausen geboren und dort am 18.10.1868 von Prediger Bollert getauft. Paten: 1) Bauersohn Christian Gragert aus Kehrberg 2) Frau Schulze Marie Telschow aus Buchholz 3) Kolonist Heinrich Telschow aus Neuhausen 5) Frau Marie Sens geb. Kloß aus Beveringen.
"N.B. gerichtlich getraut laut Verhandlung vor der Königl. Kreis=Gerichts=Commission I v. 10. Sept. 1868, Vol. I Blatt 19 der Akten, dieBeglaubigung der Heirathen betreffend."
Quelle: Ev. Kirchenbuchduplikat Neuhausen, Ostprignitz, 1846, 1847, 1849, 1851-1873, Taufen 1868, Nr. 2

Im KB-Duplikat findet sich kein Traueintrag der Eltern des Kindes.

Frage: Was hat es mit dieser gerichtlichen Trauung auf sich und wo könnte sie zu finden sein?

Bislang ist mir bei meinen Recherchen noch kein Hinweis auf eine derartige Trauung aufgefallen.

Vielen Dank für entsprechende Erklärungen!

Detlef05

Trainee

Location: Hamburg

  • Send private message

2

Sunday, October 7th 2012, 10:37am

Hallo Willi,

die gerichtliche Trauung ist zu vergleichen mit der heutigen standesamtlichen Trauung. Das hatte zur Folge, dass der nachfolgenden kirchlichen Trauung keine Prüfung der Ehevoraussetzungen durch die Kirche zu erfolgen hatte.
Siehe dazu den Auszug aus: Verhandlungen, Band 2 von Prussia (Germany). Landtag. Haus der Abgeordneten, S 787

(Zitatanfang)
Wenn der gerichtlichen Eheschließung die kirchliche Trauung folgt,
so ist zur Zeit der letzteren bereits eine bürgerlich gültige Ehe
vorhanden, eS versteht sich also von selbst, daß der Pfarrer.nicht zu
prüfen hat, ob der Eingehung der Ehe bürgerliche Hindernisse im Wege
stehen. Eine solche Prüfung ist bereits von dem Richter vorgenommen
worden, und weil sich bei dieser Prüfung keine Hindernisse ergeben
haben, deshalb ist vor dem Richter die Ehe geschlossen Wenn das
Allgemeine Landrecht sagt, daß der Pfarrer prüfen müsse, ob der
Eingehung der Ehe bürgerliche Hindernisse entgegenstehen, so hat es nur
dm Fall vor Augen und konnte ihn auch nur vor Augen haben, daß durch 1>ie kirchliche Trauung eine bürgerlich gültige Ehe erst begründet wird.
(Zitatende) ("1>ie" ist maschinell falsch gelesen und meint "die")

Gruß
Detlef

_daniel_

Trainee

Location: Magdeburg

Societies: AGGM; AMF; German Genealogy Group New York; Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge; CompGen

  • Send private message

3

Sunday, October 7th 2012, 11:20am

Hallo, eine gerichtliche Trauung fand zu 99 % unter Dissidenten (Leute, die aus der Kirche ausgetreten sind) statt. Seit 1847 war eine gerichtliche Trauung in Preußen möglich. Ich selber habe im letzten Jahr einen Fachartikel im Jahresheft der Magdeburger AG Genealogie (AGGM) über die "Kirchenbuchduplikate evangelischer und katholischer Gemeinden Magdeburgs sowie die Personenstandsangelegenheiten der Magdeburger Juden und Dissidenten" publiziert. Allein für den Bereich des Landgerichts (später Amtsgericht) gibt es im Zeitraum 1847 - 1874 (Einführung d. Standesämter) 56 Bände an Akten, die die bürgerliche Verheiratung von Dissidenten beinhalten.

Seit einigen Wochen arbeite ich für Kunden diese Akten (Magdeburg betreffend) durch und bin immer wieder erstaunt (gerade in der Stadt), dass doch so viele Menschen schon vor 1900 der Kirche den Rücken gekehrt haben. In Magdeburg gab es eine "Freie Gemeinde", die zeitweise bis zu 8.000 Mitglieder gezählt haben soll. Sie bezeichnete sich zwar als christlich, der "Pfarrer" dieser Gemeinde war auch ein ehemaliger Pfarrer der Landeskirche, jedoch wurde diese Gemeinde nicht als christliche Vereinigung anerkannt. Somit waren die "Gemeindemitglieder" allesamt Dissidenten und mussten die Geburten, Sterbefälle beim Landgericht melden und auch daselbst heiraten.

Welches Neuhausen meinst Du?

Grüße, Daniel
"Stammgast" im Kirchenarchiv sowie Stadtarchiv Magdeburg und im LHASA (Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt)

Mitglied: AGGM; AMF; GGG (NY); Volksbund; Compgen

Meine Namensliste, interessante Geschichten rund um die Familie, sowie Biographien besonderer Vorfahren kann man meiner Homepageentnehmen.

  • "Willi Beutler" started this thread

Societies: VfFOW

  • Send private message

4

Sunday, October 7th 2012, 8:59pm

Neuhausen

Besten Dank an Daniel und Detlef für die Ausführungen.

Daniel, es handelt sich um das Neuhausen bei Berge in der Prignitz, Brandenburg. Vgl. auch www.dorfkirche-neuhausen.de

Schöne Grüße
Willi

5

Monday, October 8th 2012, 12:18am

Gerichliche Trauung

Hallo,

ab wann war denn eine kirchliche Trauung nicht mehr nötig ?

Ich hab Kirchenbucheinträge von 1830 wo eine Trauung vor Gericht stattfand und danach erst die kirchliche Trauung war.

z. B. bey Kürfüstlichen Landgericht zu Cassel, Februar 20. 1830 / Aufgebote am 5. , 12. und 19. Februar; Tag und Ort der Trauung: zu Großenritte am vierten Maerz.


Ratlose Grüße

Gildemeister