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Mittwoch, 12. August 2015, 18:45

Wert eines guten Reitpferdes um 1641

Hallo allerseits,

mir ist heute ein Dokument "untergekommen" nach dem einer meiner Vorfahren noch mitten im 30jährigen Krieg (ungeachtet diverser Plünderungen auch an seinem eigenen Besitz) auch im Jahre 1641 noch im Besitz eines guten Reitpferdes im Wert von etwa 100 Dukaten gewesen sein soll.

Weiß zufällig jemand von euch, wie teuer ein "normales" Reitpferd damals war und wie es im Allgemeinen bei den "besseren" Reitpferden ausgesehen hat?
Das Gerücht über die Existenz des Pferdes meines Vorfahren soll der äußere Anlass für eine zweimalige Plünderung des Amtssitzes meines Vorfahren durch kaiserliche Soldaten gewesen sein (sie haben das Pferd aber anscheinend nicht gefunden, weil mein Vorfahre es auf eine Dienstreise mitgenommen hatte)...

Grüße
Giacomo

P.S.: es ist mir durchaus bekannt, dass Reit- und Zugpferde im Gebiet von Truppendurchzügen damals generell ein sehr rares Gut (und damit schon für sich genommen eher teuer) waren. Trotzdem wird es aber immer noch Preisvarianten gegeben haben. 100 Dukaten erscheint mir dabei für einen häufig geplünderten Dienstsitz und eine verarmte Adelsfamilie selbst unter diesen Umständen als "stolzer" Preis. Oder irre ich mich mit dieser Einschätzung?
IRGENDWIE sind wir doch ALLE miteinander verwandt... ^^

2

Mittwoch, 12. August 2015, 19:33

Hallo Giacomo,

ich denke, man kann sich diesem Wert nur nähern, indem man ihn zum Wert anderer geläufiger Waren (Roggen, Weizen o. a. Getreide) und Tiere (Milchkuh, Schwein, Rind, Schaf, Ziege, Huhn) für die gleiche Zeit und Region in Relation setzt.

Möglicherweise findest Du auch Infos zu den Verdiensten von Schmieden oder anderen Handwerkern oder kannst ermitteln, was eine Bauern pro Jahr erwirtschafteten oder an Abgaben zu leisten hatten.

Ich finde so eine Art "historischen Big Mac Index" aussagekräftiger als irgendwelche rein währungsbasierte Umrechnungsmethoden.
Viele Grüße,
Simone

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3

Mittwoch, 12. August 2015, 19:58

Hallo Simone,

es geht mir im konkreten Fall tatsächlich nur um den Vergleich mit anderen Reitpferden, nicht um andere Vergleichswerte (also keinesfalls um eine Umrechnung in heutige Währung, die eh immer eine zweifelhafte Angelegenheit ist).
Also: wie viel Geld damals ein "normales" Reitpferd gekostet hat und evtl., wie teuer damals in etwa die Reitpferde des einfachen Landadels waren (was für mich die gegebene Bezugsgröße schon aus dem Grund ist, weil mein Vorfahre ein Angehöriger dieser Schicht war und ich davon ausgehe, dass ein solches Pferd auch das gegebene Reittier für Offiziere der mittleren Dienstgrade gewesen sein dürfte). Ich vermute, dass das Pferd meines Vorfahren da irgendwie aus dem Rahmen gefallen sein könnte, weil sich die Soldaten ansonsten wohl nicht zwei Mal explizit den Dienstsitz meines Vorfahren ausgesucht und seine Mitarbeiter bedroht und gefoltert hätten, um den Verbleib des Pferdes in Erfahrung zu bringen.

Viele Grüße
Giacomo
IRGENDWIE sind wir doch ALLE miteinander verwandt... ^^

4

Donnerstag, 13. August 2015, 19:05

Hallo Giacomo,

aus dem Buch Peter Hagendorf, Tagebuch eines Söldners aus dem Dreißigjährigen Krieg.

Seite 125/Artikel 123:
Den 24. (1641) habe ich mein Pferd müssen verkaufen, hat gegolten 24 Gulden, denn ich habe hier Geld gebraucht.
Seite 131/Artikel 148:
Den 1. April (1644) habe ich dem Schulzen ein Pferd abgekauft für 16 Taler.
Seite 136/Artikel 175:
Den 28. Juni (1649) habe ich einen Esel gekauft, … für 9 Gulden 13 Kreuzer.

Möglicherweise gibt es noch mehr Hinweise, für Preise des täglichen Lebens auf jeden Fall. Diese Stellen habe ich auf die Schnelle gefunden.

Viele Grüße, Ursula
Viele Grüße :) Ursula

5

Donnerstag, 13. August 2015, 21:23

Danke Ursula,

das geht schon mal eindeutig in die für mich interessante Richtung, zumal der erste Pferdeverkauf ja sogar noch im gleichen Jahr war.

Ich bin sehr gespannt, ob noch jemand auf Preise für Offizierspferde stößt, die ja sicherlich nochmal um einiges teurer waren, als die von einfachen Söldnern genutzten (wobei der Tagebuchschreiber es ja nach meiner Erinnerung zumindest bis zu einer "kleineren" Offizerstelle geschafft hat).

Eine Sache, die für mich überraschend war und mich auch noch weiter interessieren würde: warum wurde im Falle des Pferdes meines Vorfahren der Wert ausgerechnet in DUKATEN angegeben (und nicht in Thalern oder in Goldgulden, die in der Region sonst immer als Rechnungsgrundlage genutzt wurden)?!!
Könnte das ein Hinweis darauf sein, dass die plündernden Truppen aus einer Region kamen, in der nach Dukaten gerechnet wurde (ich weiß das beispielsweise von Ungarn, meine aber, dass es auch in den österreichischen Kernlanden üblich war)?
Oder sollte dadurch der Wert des Pferdes noch stärker betont werden (der Dukat war um einiges mehr wert, als der Goldgulden, u.a. weil dem Dukatengold als Legierungsmetall Silber zugesetzt war und beim Goldgulden Kupfer)?
IRGENDWIE sind wir doch ALLE miteinander verwandt... ^^

Ahrweiler

Mitglied

Wohnort: Villach/Austria

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6

Freitag, 14. August 2015, 12:11

Hallo zusammen
Pferde hatten damals einen sehr hohen Stellenwert.Ich habe eine alte Gerichtsakte von 1720 gelesen.Hier ging es um eine Rauferei bei einer Hochzeit.Der Braut wurde damals ein Auge ausgeschlagen und "leider auch ein Pferd verletzt".Das ausgeschlagene Auge war mal eine Woche Gefängnis wert.Das verletzte Pferd(es war zwischenzeitlich wieder gesund und munter)kostete dem Täter 4 Wochen Gefängnis und die Behandlungskosten für das Pferd.
Liebe Grüße
Franz Josef