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Freitag, 14. September 2018, 18:32

Italien - Suche Infos zu Anton Märtöl aus Ballan - Kammerdiener des Grafen Kärperary

Liebe Forumsmitglieder!

Bei der Ahnenforschung meiner direkten Vorfahren bin ich auf einen Philipp Hammer gestoßen, der mit einer Maria verheiratet war. Diese heiratete nach Philipp Hammer (aus Eibesthal) und Hans Fritz (00 29.01.1662 - Mistelbach/Zaya) den Anton Märtöl (?) am 13.01.1665 in Mistelbach an der Zaya.

In den Pfarrmatriken von Mistelbach an der Zaya (Bezirk: Mistelbach, Bundesland: Niederösterreich: Land: Österreich) ist folgendes zu lesen:
Hier der Link dazu: http://data.matricula-online.eu/de/oeste…ch/02-03/?pg=34

Dito ist der ehrbare und wohlgeachte, Hr. Anthonius Märtöl gewöster Khamer Diener, bey den Hi Graffen Kärperary, des Erbvesten und fürnemben H(errn) Mark Märtöl auß dem Weillischlandt (Italien) von Ballann und Susannä beeden seel: hindterlassner ehelicher Sohn, ist copulierdt worden, mit der ehrentugendsamen Frauen Maria, des edl und gestrengen H. Johann Fritz gewester Regent , bey: ihr: firstlich: gl: zu Wilfersdorff seel: hindterlassne eheliche Wittib.

Die H. Stephanus Pauen an Marckhtrichter und Egidy friesenEckher Beede Heyrathsleudt alhier zu Mistlbach daselbsten.

Soweit mir bekannt, war der zweite Ehemann von Maria, Johann Fritz zuerst Visitator und später Pfleger der Herrschaft Wilfersdorf (bei Mistelbach/Zaya). Am 30.05.1633 bestallte Fürst Gundakar ihm als neuen Regenten seiner Herrschaften Wilfersdorf, Mährisch Krumau und Ungarisch Ostra. Dieses Amt hatte er bis etwa Mai 1636 und neuerlich - mit höherer Bestallung und größerem Deputat - von Juli 1638 bis Dezember 1643 inne, deren Dienst er aus gesundheitlichen Gründen zurücklegte.

Um näheres über diesen Anton Märtöl zu erfahren habe ich dazu zwei Fragen:

1) Wo in Italien liegt dieser Ort Ballann? (Norditalien, Lombardei-Venezien ?)
2) Hat jemand nähere Informationen über diesen Grafen Kärperary?

Ich hoffe ihr könnt mir ein wenig weiterhelfen.

Lg Bernhard ;)

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Samstag, 15. September 2018, 10:20

Liebe Forumsmitglieder!

Hab heute gute Hinweise von zwei Ahnenforschern eines anderen Forums bekommen. Balan liegt in Frankreich. Laut Internetrecherche gibt es 2 Balan eines in der Nähe von Lyon und das andere Balan im Département Ardennes in der Région Grand Est. Anscheinend war auch Frankreich im historischem Sprachgebrauch das Welschland (Weillischland). So wie Wend-/Wind- alles Slawische bezeichnet, steht Welsch- für die romanischen Gegenden.

Ein Fehler ist mir auch unterlaufen, der Name des Bräutigams sollte Marx (Marcus) heißen.

Anfangs dachte ich, dass der Ort eventuell in Italien (Bologna) sein könnte. Jedenfalls hab ich hier wieder ein spannendes Rätsel vor mir, hoffe es gelingt mir zu lösen.

Lg Bernhard ;)

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Berni17« (20. September 2018, 16:26)


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Donnerstag, 20. September 2018, 16:25

Liebe Forumsmitglieder!

Hab heute eine Nachricht vom Ungarischen Archivdelegierten beim Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien erhalten, er schreibt im wesentlichen folgendes:

Einen gewissen Grafen Kärperary konnte nicht unter den ungarischen Adelsfamilien gefunden werden. Es gab ein Adeslgeschlecht, die wirklich Grafen waren: die Familie Korbáviai. Die sind aber Mitte des 16. Jahrhunderts ausgestorben.
Sie stammten aus der heutigen Region Kroatiens Lika-Krbava.

Es kann natürlich sein, dass hier ein Schreibfehler vorliegt. (Es gibt zB: Korponay, aber das ist nicht identisch mit diesem Namen.)
Könnte sein, dass diese Familie einem italienisches Geschlecht zuzuordnen ist. Einerseits der "Märtöl" kommt aus Wellischland (hier wird Italien gemeint sein, nach meinem besten Wissen), andererseits der Anklang des Namens ist für mich eher italienisch. Vielleicht aus Tirol?

So der derzeitige Wissensstand.

Lg Bernhard

Wohnort: Manila, Philippinen

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Samstag, 22. September 2018, 10:16

Das ist wirklich interessant! Ich habe zwar nichts wirklich dazu beizutragen, aber ich lese die Berichterstattung gerne :)

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Samstag, 6. Oktober 2018, 14:53

Liebe Forumsmitglieder!

Hab gestern vom Bibliothekar der Heraldisch-Genealogische Gesellschaft ADLER eine erfreuliche E-Mail bekommen.

Bei der Transkription des Matrikeneintrages ist die Anrede "Erbvesten" in "Ehrenvesten" richtigzustellen.

Die Rangordnungen bei den Anreden waren zwar niemals genau festgelegt, aber es gibt keine Anrede „Erbfest und Vornehm“ sondern eben nur „Ehrenfest und Vornehmen“. Diese Anrede war in dieser Zeit hauptsächlich für die Honoratioren reserviert, bedeutet aber auch gleichzeitig, dass der Angesprochene nicht zum Adel gehörte. Dagegen kann man für den ebenfalls aufgeführten Johann Fritz annehmen, dass es sich tatsächlich um einen Adeligen handelte. Denn

a) ist die Position eines Pflegers vor allem der damals noch neuen Fürsten Liechtenstein schon sehr hochwertig und
b) war die Anrede „Edl und gestreng“ um diese Zeit dem Ritterstand vorbehalten (100 Jahre später wurden auch Nicht-Adelige so angesprochen.)

Zum Grafen Kärperary: Dass es sich nicht um einen ungarischen Grafen handelt, ist leicht zu ermitteln, da die Anzahl der ungarischen Grafen bis zum Ende der Monarchie unter 100 lag – angeblich waren es 94.
Der Reichsverweser Horthy hat angeblich auch Leute nobilitiert und in höhere Ränge gestuft, allerdings ist darüber nichts bekannt und für meine Frage irrelevant.

Jedenfalls gab es keinen Grafen Kärperary o. ä. abgesehen davon, dass das ungarische Alphabet kein „ä“ kannte. Doch wie wir alle wissen, ist die Schreibweise in dieser Zeit sehr sehr unzuverlässig und hängt sehr von der ausführenden Person (Matrikenführer) bzw. deren Zustand ab.

Tatsächlich handelt es sich um einen Grafen Caprara, genauer gesagt um Niccoló Caprara, Conte di Pantano aus Bologna(!), wo er Senator war. Dieser war mit Vittoria Piccolomini verheiratet, einer Schwester Octavio Piccolomini, Herzog v. Amalfi (1599-1656). Die Söhne Niccolos dienten in österreichischen Diensten im Kampf gegen die Türken und Aeneas Caprara wurde 1679 in den niederösterreichischen Herrenstand aufgenommen. Dazu passt nicht nur der Name (das „p“ wird nach einem Vokal gerne als „rp“ interpretiert und die Caprara nannten sich angeblich früher Caprarji = Caprari) sondern auch der Ort „auß dem Weillischlandt von Ballann (=Bologna)“.

Jener Anton Märtol mag vielleicht mit dem Schwager Niccolo Capraras, Herzog Piccolimini, nach Österreich gekommen sein. Der Name scheint tatsächlich eher Martel, Martol, Mortel etc. zu entsprechen. Diese Namensschreibweisen kommen bis heute in Norditalien vor.

Für Nachforschungen in Italien gibt es leider keine guten Nachrichten: Laut Mitteilung eines Mitarbeiters des Haus-, Hof- und Staatsarchivs (gebürtiger Südtiroler), hat die Italienische Bischofskonferenz heuer beschlossen, die italienischen Kirchenbücher nicht digital freizugeben!

Jedenfalls freut es mich einen neuen Anhaltspunkt zu haben und bedanke mich für euer Interesse.

Lg Bernhard

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Samstag, 6. Oktober 2018, 15:48

Hallo Bernhard,

das ist ja ärgerlich, dass die italienischen Kirchenbücher nicht digitalisiert werden...
Wäre auch für mich selbst schön gewesen, um nicht selbst hinfahren zu müssen (ich konnte bisher immerhin digitalisierte Zivilstandsregister und einzelne von den Mormonen abfotografierte Kirchenbücher nutzen, die aber leider alles andere, als vollständig sind und auch gelegentliche Lücken - mehrere fehlende Seiten ausgerechnet in für mich interessanten Bereichen - aufweisen).

LG Giacomo
IRGENDWIE sind wir doch ALLE miteinander verwandt... ^^