Raudszus aus Gumbinnen

  • Hallo liebes Forum,


    vor fast einem Jahr habe ich mich schon einmal wegen Gustav Raudszus (*26.8.1893) aus Gumbinnen an euch gewandt. Er war mein Großvater und ist im Juli 1944 gefallen und mehr als seinen Namen und Geburtsdatum habe ich nicht. Ich würde aber gerne mehr über ihn erfahren und habe mich, auf euer Anraten hin, im letzten Jahr an das Standesamt I in Berlin gewandt.


    Heute kam die Antwort: ..."unter dem Geburtsdatum konnte kein Eintrag gefunden werden".


    Rücksprache mit meiner Mutter ergab, dass Gustav R. in der Nähe von Kreuzingen, früher Skeisgirren (kann falsch geschrieben sein) gelebt hat. Gehört Kreuzingen noch zu Gumbinnen Land?
    Welche Möglichkeiten gäbe es noch etwas über seine Herkunft zu erfahren.
    mfg udo

    Wer wissen will wer man ist, muß wissen woher man kommt.

  • Hallo Udo,
    Kreuzingen hieß vor 1939 Groß Skaisgirren und liegt in der Elchniederung, Reg. Bez. Gumbinnen. Heute russisch Bel´šakovo.


    1785 gehörte es zum landrätlichen Kresi Tapiau, Domäne Mehlauken, eingepfarrt zu Labiau.


    1926 gehörte es zum Kirchenkreis Niederung.
    Die eingepfarrten Dörfer waren:
    Skaisgirren (Marktort)
    Gr. Aschnaggern
    Basseitzkallen
    Berkeln
    Bersteningken
    Borstehlischken
    Demmenen
    Endreje
    Finkenhof
    Gerhardswalde
    Girretischken
    Gobienen
    Gründann
    Grünhof-Kippen
    Kl. Ischdaggen
    Jagsten
    Kischen
    Kletellen
    Kumpelken
    Lankeningken
    Legienen
    Liedemeiten
    Makohnen
    Margen
    Obsruten
    Oschweningken
    Osseningken
    Ossupönen
    Parwischken
    Petschkehmen
    Schillehlen
    Schudlerimmen
    Gr. Wabbeln
    Wargutschen
    Wegnerminnen
    Weidgirren
    Wilhelmsbruch
    Wilhelmsheide
    Wirblauken
    Gr. Wixwen


    Beate

  • Hallo Beate,
    danke für die rasche und sehr ausführliche Antwort.


    Leider muss ich noch mal für "Dummies" nachfragen.


    Wenn jemand im Jahre 1898 ca. 2 km von Skaisgirren geboren worden ist, an welches Standesamt kann ich meine Anfrage (bezügl.Geburtsurkunde) stellen?


    Danke und Gruß...
    Udo

    Wer wissen will wer man ist, muß wissen woher man kommt.

  • Hallo,


    die Ortschaft S k a i s g i r r e n im Kreis Niederung gehörte zur Gemeinde Groß Skaisgirren.


    Die Landgemeinde G r o ß S k a i s g i r r e n (ab 1938 „Kreuzingen“ genannt) besaß ein eigenes Standesamt.


    Im übrigen lag "Kreuzingen" (vgl. http://www.webarchiv-server.de/pin/landkarte/karte67.htm ) rd. 50 km nordwestlich von Gumbinnen.


    MfG

  • Hallo Herr v. Roy,


    Sie schreiben, die Gemeinde Groß Skaisgirren besaß ein eigenes Standesamt. Liegen die Daten aus dem Standesamt auch in Berlin Rückerstr.? ?(
    mfg udo

    Wer wissen will wer man ist, muß wissen woher man kommt.

  • Hallo, wenn Sie das nicht wissen Herr v. Roy, dann schätze ich meine Chancen jemals etwas über die gesuchte Person in Erfahrung zu bringen, ziemlich gering ein.
    Was mich aber nicht davon abhalten wird weiter zu forschen. :computer:
    Danke und Gruß....
    Udo

    Wer wissen will wer man ist, muß wissen woher man kommt.

  • Quote

    D ie Gemeinde Groß Skaisgirren besaß ein eigenes Standesamt. Liegen die Daten aus dem Standesamt auch in Berlin Rückerstr. 9 ?


    Vom Standesamt Skaisgirren hat das Standesamt I in Berlin, Rückerstr. 9. 10119 Berlin, nur * keine, oo 1928-1934, 1936-1937, 08.07.1938-1942, + 01.10.1874-1878, 1885-1891, 1894-1895. Das Staatsarchiv Leipzig hat noch verfilmte Kirchenbücher von Groß Skaisgirren: ~ 1708-1830, 1851, oo 1708-1815, 1850-1874, # 1768-1830, 1850-1874.
    Mit freundlichen Grüßen
    Friedhard Pfeiffer

  • Hallo Herr Pfeiffer,


    recht herzlichen Dank für die präzise Auskunft, so bitter sie auch für mich ist.
    Demnach kann ich mit dem Gegurtsdatum 1893 Skaisgirren, Heirat ca. 1925 in Lankeningken Kr. Labiau keine Rückschlüsse auf evtl. gelagertes Archivmaterial schließen.
    Aber wie ist es mit dem Todesdatum?
    Gustav Raudszus war bei Beginn des Krieges für die Wehrmacht schon zu alt. Man hat ihn dann 1944 doch zur Verteidigung des Heimatortes herangezogen. Er fiel im Juli 1944 in Spannegeln Kr. Labiau und wurde dort auch beerdigt.
    1944 waren die Verhältnisse noch längst nicht so chaotisch wie in den Wintermonaten 1945. Die Kirche müsste doch eigentlich einen Eintrag im KB haben. Wäre das ein Ansatzpunkt?
    PS:
    Die WASt bzw. im Krankenbuchlager liegen keine Aufzeichnungen vor.
    mfg udo

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  • Hallo,
    Spannegeln hatte zwar ein eigenes Standesamt. Von diesem sind keine Standesamtsregister mehr vorhanden. Das zuständige Kirchspiel war Popelken. Von diesem hat das Staatsarchiv Leipzig verfilmte Kirchenbücher: ~ 1693-1810, oo 1726-1819, # 1761-1814. Also wieder Pech.
    Mit freundlichen Grüßen
    Friedhard Pfeiffer

  • Hallo Udo,


    im Juli des Jahres 1944 stand die Front noch nicht in Spannegeln. Falls Ihr Großvater wirklich im Juli 1944 in Spannegeln verstorben ist, so dürfte er dort nicht „gefallen“, sondern an den Folgen einer Verwundung oder einer Erkrankung gestorben sein.


    Freundliche Grüße vom Rhein

  • Hallo,


    herzlichen Dank für die hilfreichen Hinweise, die ich heute von euch erhalten habe.
    Ich muß mich wohl damit abfinden müssen, dass einige Dinge für immer und unwiederbringlich verloren gegangen sind..... Jammerschade!!!


    PS: Herr v. Roy, mein Großvater soll bei einem Bombenangriff in Spannegeln im Sommer 44 ums Leben gekommen sein.


    mfg udo

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  • Hallo Udo


    Hast du schon mal daran gedacht in Zeitungsarchiven zu suchen? Über den Bombenangriff wird doch sicher berichtet worden sein. Vielleicht wurde eine Liste veröffentlich mit allen, die dadurch umgekommen sind. Oder vielleicht veröffentlichte die Familie eine Todesanzeige in der Zeitung. Vielleicht gibt es auch noch andere Archive, die Unterlagen über den Bombenangriff haben.


    mfg Svenja

  • Hallo Svenja,


    deine Idee mit den Zeitungsarchiven ist nicht schlecht. Ich denke nur in diesem Fall wird sie wenig von Erfolg gekrönt sein.


    Bedenke: Sommer 1944, in einem kleinem Dorf in Ostpreußen (ca. 200 Einw.) kommen ein paar Leute bei einem Bombenangriff ums Leben. Das ist zwar tragisch, in der damaligen Zeit aber sicher nichts ungewöhnliches. Ich schätze mal, man hat die Toten beerdigt, das Leben ging weiter und das war's.
    PS: Selbst wenn eine Zeitung darüber berichtet hätte, glaube ich nicht, dass jemand damals daran gedacht hätte, das Archiv eines kleinen "Käseblattes" vor der Zerstörung zu retten. Die Menschen waren froh, wenn sie ihre eigene Haut retten konnten.
    Wie gesagt, deine Idee war gut, aber unter diesen Umständen wird sich dir Mühe nicht lohnen Nachforschungen anzustellen.
    Danke und Gruß....
    udo ;)

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  • Hallo Beate,
    ich habe schon gemerkt, dass dein "Spezialgebiet" ehem. deutsche Ostgebiete sind, denn ich habe diesbezüglich schon oft sehr hilfreiche Hinweise von dir erhalten.


    Kartei Quassowski habe ich bereits mehrmals schon in verschiedenen Beiträgen gelesen, aber ehrlich gesagt, sagt mir diese Kartei nichts. ?(


    Was ist die Quassowski-Datei?
    mfg udo

    Wer wissen will wer man ist, muß wissen woher man kommt.

  • Hallo Udo,
    hier ist die Adresse:
    Kartei Quassowski


    Also, ich finde sie nicht sehr ergiebig. Über meinen Urgroßvater fand ich, dass er einen steinzeitlichen Hammer gefunden und ihn dem Museum übergeben hatte. Mein Vater gab die Geburt eines Sohnes bekannt.


    Aber hin und wieder kann man Glück haben und findet ein Mosaik-Steinchen.


    Beate


    EDIT: Da der ursprüngliche link inzwischen inaktiv ist, wurde er durch einen aktuellen, mehr auf die Frage bezogenen link ersetzt.
    Weitere Info im Forum zur Quassowski-Kartei
    joerg277