Zusammenfassung bisheriger Beiträge

  • Hallo !


    Ich habe heute für ein paar Tage die gesamten Ausgaben der "Berliner Morgen-Zeitung" vom 01.07.-31.12.1908 ausgeliehen bekommen. Beim ersten Durchstöbern fiel mir auf, dass es kaum private Anzeigen. Allerdings stieß ich bisher auf eine, die mich noch ein wenig "erschüttert" hat:


    "Kräftiger, hübscher Junge von diskreter Herkunft wird gegen eine einmalige Vergütung an kinderloses Ehepaar abgegeben. Briefe sind zu richten L.V. 700 postlagernd Malstatt bei Saarbrücken"


    Nicht nur, dass diese Anzeige moralisch natürlich nicht vertretbar ist, wollte ich damit ausdrücken, dass natürlich in solchen Punkten die Familienforschung als aussichtslos erscheint. Waren solche "Angebote" damals ein Regelfall oder war sowas die - hoffentlich - berühmte Ausnahme ?


    Und nun noch eine weitere Frage: Besteht Interesse, dass ich die wenigen privaten Anzeigen (Verlobung, Auflösung der Verlobung, Geburt), die ich hoffentlich noch finden werde, hier veröffentliche ? Vielleicht findet ja jemand zufällig Namen, die in seiner Familienforschung vorkommen.

  • Hallo,


    hier können Zufallsfunde, aus Zeitungen, Büchern, usw. eingetragen werden, die für Mitworscher interessant sein könnten.


    Bitte hier keine Antworten einstellen da sonst dieser Bereich unübersichtlich wird !


    Gruß
    Michi

  • Berliner Morgenzeitung, 16.07.1908


    "Meine Verlobung mit Martha Schwede aus Berlin, zur Zeit Gr. Heinrichsdorf, erkläre ich meinerseits für aufgehoben. Fritz Popeit, Landwirt, Alt-Friedrichsgraben Ost-Pr."

  • Habe heute eine Abschrift der Gefallenenbeisetzung meines Urgroßvaters erhalten. Darauf ist auch ein weiterer gefallener Soldat vermerkt - vielleicht sucht ja jemand nach diesem Namen:


    GROSSBERGER, Ludwig *10.08.1927 in Birsehfeld, Niederdonau


    Falls jemand weitere Informationen zu der Person benötigt - kurz ne PN an mich.

  • Auf dem Friedhof bei der Kirche St. Laurentii in Süderende (Föhr) stehen viele Grabsteine, die einen Blick in die Kirchenbücher fast entbehrlich machen :D


    1. Beispiel:


    Wir erwarten eine Fröliche Auferstehung
    Denckmal des sel: ruhende Ehe Leute
    Brar Brarren Schmidt und
    Kerin Braren aus Oldsum geboh
    daselbst 1720 med. Aug.
    verehlicht 1758, den 15
    Jann: gezeuget 3 Söhne
    und 3 Töchter davon
    2 Söhne gestorben
    Er starb 1795 den 25
    Dec. in einem Alter
    von 75 Jahr 19 W:


    Sie ist gebohren in
    Süderende 1721
    den 14 Octor Sie
    starb 1777 d: 20 Febr
    in einem Alter von
    55 Jahr 18 Woch:


    O hoffnung daß nach kurzer ruh
    Mein leib erwacht: wie groß bist du
    Und welch ein trost im tode


    Die blauen Blüten stehen für den Vater und die Söhne,
    die roten Blüten für die Mutter und die Töchter.
    Abgeknickte Blütenstiele bedeuten, dass die betreffende Person bereits verstorben ist.


    [Blocked Image: http://img267.imageshack.us/img267/5798/bild1681bg.jpg]

  • Dieses Grabmal steht im Friesenmuseum in Wyk:


    Neben diesem Grab und Ehren Mahl ruhen die
    entseelten Gebeine des nunmehro Seel: Boye Ocken
    aus Oevnum, welcher ao 1701 den 16 Sept: daselbst
    gebohren, ao 1725 den 23 Novbr hat er sich mit sei
    ne Nachgelaßene Wittwe Geerlick Hofsten aus
    Boldixum im Standt der heiligen Ehe begeben
    in welcher vergnügten Ehe sie mit einander 41 Jahr
    1 Monath gelebet. Er hat unter Gottlicher
    Leitung seinen Beruf zu Folge die See mit Segen
    28 Jahr bedienet, biß er ao 1773 den 15 Octobr:
    in einem rühmlichen Alter von 72 Jahr 1 Mo
    nath sein Leben beschlossen.


    [Blocked Image: http://img4.imageshack.us/img4/2411/bild1849ij.jpg]

  • Quote

    [i]Original von Bonzhonzlefonz]


    Die blauen Blüten stehen für den Vater und die Söhne,
    die roten Blüten für die Mutter und die Töchter.
    Abgeknickte Blütenstiele bedeuten, dass die betreffende Person bereits verstorben ist.


    Hallo Bonzhonzlefonz,


    den Grabstein finde ich sehr schön, und wenn man bedenkt, wie alt er
    ist, ist er auch noch sehr gut erhalten.


    Was ich interessant finde: die abgeknickten Blüten, die symbolisch den Tod des Betreffenden anzeigen, ich habe so etwas noch auf keinem anderen Friedhof gesehen, und ich denke, dass ich doch wirklich schon viele Friedhöfe besucht habe.


    Schade, das es so etwas so selten gibt.


    Gruß Marlies

  • Hallo


    Quote

    Die blauen Blüten stehen für den Vater und die Söhne,.....


    wie praktisch, so ein Grabstein doch auch noch ist, jetzt weiss ich das ich zu dem verstorbenen Ehepaar auch noch 6 Kinder suchen muss


    Liebe Grüsse
    Monika

    Dauersuche
    Dargies,Vorrath im Memelland
    Mai,Jüttner aus Waldenburg Schlesien
    Williges,Gund(e)lach aus Helsa,Grossalmerode/Hessen
    Hagemann,Richter, aus Vorpommern
    Fago,Romba aus Lötzen, Jagodnen und Umgebung
    Meyn,Behrmann aus Haseldorf,Haselau,Wedel

  • Hier kommt der nächste Grabstein (alle Ortsangaben: Insel Föhr):


    Denkmal
    der christl. Eheleute,
    des ehemal. Kaufmannes und Landmannes
    Christian Diedrich Roeloffs aus Süderende
    (geb. d. 30. Jan. 1801, gest. d. 5. April 1885) und der Antje,
    geb. Ketels, verw. Braren (geb. in Toftum d. 19. Juli
    1804, gest. d. 10.Nov. 1890. Ersterer ist auf seinem
    Lebenswege reichlich gesegnet worden, hat aber
    auch mit seinen Gütern und Gaben Andern gern
    gedient; er hat auch indes des Lebens Hast und Hitze
    tragen müssen: 2 Lebensgefährtinnen, mit denen
    er nur etliche Jahre gepilgert mit der ersten,
    Ingke Ocken aus Oldsum, 9, mit der zweiten,
    Mattje Lorenzen aus Süderende 8 Jahre, und von
    seinen 9 Kindern, 4 aus der 1. und 5 aus der 2. Ehe,
    sind 7 vor ihm ins Grab gesunken, doch war es ihm
    vergönnt, an der 3. Hausfrau eine langjahrige Ge
    hülfin zu finden, vo 1846 bis zu seinem Lebensende.
    Diese hatte ihren ersten Gatten, Brar Braren
    aus Oldsum, nach 15 jährigem Ehestande verloren
    und von den 8 Kindern, die sie ihm gebar, hat sie
    5 ins Grab sinken sehen.


    Röm. 14,8: Leben wir, so leben wir dem Herrn,
    sterben wir, so sterben wir dem Herrn, darum wir
    leben oder sterben, so sind wir des Herrn.


    [Blocked Image: http://img269.imageshack.us/img269/6848/bild1679og.jpg]

  • Hallo Bonzhonzlefonz,
    :banana:
    da steht ja auf dem Grabstein wirklich das ganze Leben. Schade, daß das nicht überall so ist.
    Vielen Dank, daß Du Dir die Arbeit machst und hier einstellst.
    Vielen Dank.
    :star:
    Viele Grüße
    Gudrun
    :computer:

  • Hallo Jens!


    Echt schöne Fotos!


    Was mir aufgefallen ist, der Name Brar Braren scheint dort sehr häufig vorzukommen. Oder?!



    gruß Gordon

    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie gern behalten! :rolleyes:
    * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * *
    Auf der Suche nach Mahnke, Dahl, Hackbusch, Lange, Pägelow, Manka

  • Klasse Bilder und tolle Idee,-))))


    Danke, auch für die Arbeit die Inschriften zu"übersetzen" :)

  • Ja, der Name Braren ist dort häufig.


    Und hier kommt der nächste Stein:


    Dem Andenken des Schiffskapitains
    Frud Faltings und seiner Gattinn Ingke, geb.
    Olufs, in Oldsum.
    Frud Faltings wurde geboren in Klintum
    am 23 Decbr. 1783. Er verband sich am 20 Decbr. 1811 ehe=
    lich mit Ingke Olufs, geboren in Oldsum am 28 Oct.
    1786. Aus ihrer Ehe stammen 3 Söhne. Von früher Ju=
    gend sich der Seefahrt widmend, stieg er bis zum Schiffs=
    kapitain und führte 23 Jahre lang ein Schiff von Kopen=
    hagen. Nachdem er im Jahre 1839 aus diesem Berufe
    geschieden war wirkte er bis zu seinem Lebensende als Thäti=
    ger und umsichtiger Landwirth. Er sah seine Familie in
    13 lebenden Enkeln aufblühen. Am 20 April 1851 rief
    der Todesbote ihn aus dem Kreise der Seinigen ab im
    Alter von 67 Jahren 3 Monaten und 28 Tagen.


    Seine Gattinn Ingke Faltings lebte nach
    dem Scheiden ihres Gatten im Wittwenstande, bis sie
    durch den Tod wieder mit ihm vereinigt wurde am 11. Juli
    1869 alt 82 Jahre 8 Monate 13 Tage.


    O Schiffer auf des Erdenslebens Wellen,
    Ermiß der Pflichten Höhe mit der Christenlieb' Octant,
    Und schau, wie hoch auch Leidensfluthen schwellen,
    Stets mit des Glaubens Fernrohr nach der Christenhoffnung Land.
    So wirst du sicher nach dem lichten Hafen steuern,
    ...


    [Blocked Image: http://img167.imageshack.us/img167/7103/bild1702mk.jpg]

  • Noch einer:


    Wir haben hier keine bleibende Stätte,
    sondern die zukünftige suchen wir.


    Dieses Grab umschließt die irdische Hülle der beiden Eheleu-
    te Ocke Hinrich Flor und Thur Flor geb. Rick=
    mers aus Oldsum, welche 1818 den 23 Jan. zur vereinten
    irdischen Wallfahrt den Bund der Ehe schloßen.
    Beide sind geboren in Oldsum, er 1794 den 21 August,
    und sie 1791 den 4 Juli. In früher Jugend trat er den wechsel=
    vollen Beruf eines Seefahrers an und von der milden Hand der
    Vorsehung mit Glück gesegnet führte er seit 1824 als Capitain
    nach einander mehrere Schiffe, meistens von Hamburg nach
    Newjork. Nachdem er sich 1852 in seine Geburtsheimath zurück=
    gezogen hatte, verwandte er die letzte Zeit und Kraft seines Lebens
    darauf, das Wohl seiner Familie und in dem ihm aufgetragenen Amte
    eines Schulpatrons das Beste der Gemeine zu fördern, bis ihn der
    Herr des Lebens nach einem schweren letzten Leiden 1856 den 6 Mai
    durch den Tod zur ewigen Ruhe einberief, da er 61 Jahre 8 Monate
    15 Tage hienieden gelebt hatte.
    Thur Flor, die treue Gattinn, die sorgsame Hausfrau, die lieben
    Mutter, entschlief nach langem Leiden 1852 den 2 Februar in ei=
    nem Alter von 60 Jahren 6 Monaten 29 Tagen.
    Die hinterlassenen Kinder, ein Sohn und 2 Töchter setzen ihren Eltern die=
    ses Denkmal, und ihnen, wie den Schwiegerkindern und Enkeln bleibet ihr
    Andenken im Segen.


    [Blocked Image: http://img415.imageshack.us/img415/1320/bild1712ep.jpg]

  • Hallo Bonzhonzlefonz,


    das sind ja wirklich wunderschöne Grabsteine und vor allem Texte, das könnte mich ja glatt verführen, auf Föhr ein paar Tage Urlaub zu machen! Man sieht, einmal in Richtung Ahnenforschung "unterwegs", kann man die Finger nicht davon lassen, auch wenn es nicht die eigenen Linien betrifft.


    Gruß Marlies

  • Ein Bild habe ich noch. Wer mehr sehen möchte, sollte selbst auf die Insel Föhr fahren und dort die Friedhöfe besuchen. Es gibt dort viele dieser „sprechenden Grabsteine” (so werden sie dort genannt), auch mit Geschichten über Walfänger und Grönlandfahrer usw.


    Hier wieder der Name Braren:


    Im Kreuz mein Heil.


    In Hoffnung einer seligen Auferstehung ruhen
    hier die christlichen Eheleute Christian Friedrich
    Braren aus Oldsum und Keike geb. Ketels.
    Er wurde als Sohn des Landmannes Frud Braren
    und der Krassen geb. Peters geboren in Süderende den
    23. Oktbr. 1821 und entschlief am 7. April 1887 in einem
    Alter von 65 Jahren. Mit der Witwe betrauern den
    Dahingeschiedenen 10 Kinder (darunter 2 aus erster
    Ehe), 8 Schwiegerkinder und 14 Enkel. Als Landmann
    war er in seinem irdischen Berufe bis an sein Ende mit
    unermüdlichem Fleiße thätig. Nun ist er selber gesäet
    als ein Samenkorn auf den Tag der großen Ernte.
    Es wird gesäet verweslich und wird auferstehen unverweslich. 1.Kor.15,42
    Die Gattin, geboren in Oldsum als Tochter des weiland
    Schiffskomd. Arfst Ketels und der Lena Maria geb. Rek=
    kerts am 9. Mai 1834 lebte noch 25 Jahre im Witwen=
    stande, bis sie am 23 Mai 1912 in einem Alter von 78 Jah=
    ren wieder mit dem vereint wurde, den sie im Leben liebte.
    Die mit Thränen säen, werden mit Freuden ernten. Ps. 126,5
    Ruhe hier in heil'ger Stille,
    Theurer Gatte, theurer Freund,
    Bald nach unsers Heilands Wille
    Bin ich dort mit dir vereint.


    [Blocked Image: http://img237.imageshack.us/img237/6563/bild1736qv.jpg]

  • Hallo Bonzhonzlefonz,


    eins steht fest, wenn ich nächstes mal meine Schwiegereltern auf Föhr besuche, werde ich auch einen Spaziergang über den Friedhof machen!


    Die Bilder sind wirklich klasse!


    Willst Du die nicht zusätzlich auf Deine Homepage bringen? Wäre doch echt schade wenn die hier im Forum "untergehen".


    Gruß,
    Bernd

  • Quote

    Original von Bernd Zeisberg
    eins steht fest, wenn ich nächstes mal meine Schwiegereltern auf Föhr besuche, werde ich auch einen Spaziergang über den Friedhof machen!


    Au ja, Bernd, und möglichst viele Bilder machen, die Du uns dann hier zeigen kannst!


    Die "sprechenden" Grabsteine sehen ja nicht nur sehr schön aus und enthalten die Geschichte des/derjenigen, sie werden auch mit viel Liebe gepflegt, sonst wären sie nicht so gut erhalten.


    Gruß Marlies