Gregorianischer Kalender

  • Liebe Mitforscher,


    nach dem ich über den Zeitpunkt des Wechsels vom Julianischen zum Gregorianischen Kalender mich habe schlau gemacht (1582 lt. Bertels. Lexikon) habe ich an die Forschergemeinde eine Frage. In mehreren
    Personendaten tauchen folgende Termin-Bezeichnungen auf:


    2. n. Trin., oder auch 20. p. Trin.


    Das mit Trin. Trinitatis gemeit ist, ist mit klar, aber was hat es mit dem
    n. bzw. p. auf sich???


    Für Eure Antworten danke ich schon im voraus.


    Gruß! Lars

  • Hallo,


    das ist eine wirklich gute Frage! Bei dieser Problematik hatte ich oft schon Probleme, gut das das mal zur Sprache kommt!


    MfG

    Viele Grüße,
    Kolonistenforscher


    "Von Natur aus sind die Menschen fast gleich; erst die Gewohnheiten entfernen sie voneinander."
    (Konfuzius, verm. 551-479 v. Chr.)

  • Hallo Lars Heidrich,


    der 11. Juni 2006 war – in der evangelischen Kirche - der Sonntag „Trinitatis“ (= Dreieinigkeit), der 18. Juni 2006 der „1. Sonntag n a c h (lateinisch: p o s t ) Trinitatis“.


    So erklären sich die Abkürzungen n. (= nach) bzw. p. (= post).


    Freundliche Grüße vom Rhein

    Edited once, last by Joachim v. Roy ().

  • Hallo Hr. von Roy,


    nach Ihrer Erklärung nach würden meine beiden Bsp. einmal 2. Sonntag nach Trinitatis und das andere 20. Sonntag nach Trinitatis sein.


    Da ergibt sich für mich gleich die nächste Frage:


    Wie wurden die Tage dazwischen, also z.B. zwischen 1. und 2. n. Trin.,
    dann bezeichnet??


    Es wäre jedoch denkbar, dass die Zahlenangabe, die der Tageszahl nach Trinitatis entsprechen könnte, oder liege ich da falsch???


    Gruß! Lars

  • Nein, diese Zahlenangabe bezieht sich schon auf die Sonntage. Das hat sich hingezogen bis zu den Adventssonntagen. Hier kannst du z. B. die Kirchensonntage 2006 sehen.

    Gruß
    Heidi


    _______________________________________________________

  • „Bezeichnet“ wurden und werden nur die Sonntage, nicht „die Tage dazwischen“.


    MfG

  • Hallo Lars,


    man findet auch die Bezeichnung „2. Dom. p. Trin.” = 2. Sonntag nach Trinitatis. Es werden also immer nur die Sonntage angegeben, keine anderen Wochentage.


    Ereignisse wie Geburten oder Todesfälle, die ja nicht unbedingt auf einem Sonntag stattfinden müssen, werden nicht auf diese Weise angegeben, da muss dann das „richtige” Datum stehen.

  • Hallo


    Soweit, so gut......


    Interessant ist aber wann, wo die Kalenderreform stattgefunden hat. Für Sachsen bin ich nämlich nicht im Bilde!
    Lausitz 23.01.1584, Sachsen fehlt aber im Ribbe- Henning. Es könnte nämlich hier am 01.03.1700 / 76 sein.
    Ich denke, der Ort ist von entscheidender Bedeutung für die Berechnung des Datums.

  • Quote

    Original von Bonzhonzlefonz


    Ereignisse wie Geburten oder Todesfälle, die ja nicht unbedingt auf einem Sonntag stattfinden müssen, werden nicht auf diese Weise angegeben, da muss dann das „richtige” Datum stehen.


    Hallo,


    meine Bsp.-Daten beziehen sich auf Hochzeitsdaten, demnach kann ich als davon ausgehen, dass die Eheschließungen immer sonntags stattfanden.


    Vielen Dank für Eure Hilfe!


    Gruß! Lars


    P.S. Die Kalenderreform fand lt. Bertelsmann-Lexikon im Jahr 1582 statt, allerdings ohne genauere Datumsangabe.

  • Hallo,


    Papst Gregor ersetzte den Julianischen Kalender am 04.10.1582. Interessant dürfte dabei sein, daß zur Korrektur auf den 4. Oktober gleich der 15. Oktober folgte, was sich schlitzohrige Geschäftemacher auch zu Nutze machten. Die Korrektur war erforderlich, da die Zeitrechnung nach dem Julianischen über die Jahrhunderte zu einer Abtrift von 12,7 Tagen geführt hatte. Abwohl eine der Grundlagen unserer Zeitrechnung die Umlaufbahn der Erde um die Sonne ist, dürfte sich das im Verhältnis von Sachsen und dem Rest der Republik kalendarisch kaum auswirken.


    Die praktische Kalenderumstellung darf man aber nicht mit dem heutigen Verständnis sehen, es wir wohl einige Jahre gedauert haben, bis der neue Kalender allgemein anerkannt wurde.


    Zum Thema Hochzeitstage:
    Die Hochzeiten durften damals wegen der Sonntagsmesse unter keinen Umständen am Sonntag stattfinden. In der Regel war für dieses Ereignis der Dienstag vorgesehen.



    Gruß Reinhard
    :computer:

  • Hallo,


    ich mahne hier zur Vorsicht, denn Sachsen hat den gregorianischen Kalender später eingeführt! Siehe auch www.schloeder.net


    Viele Grüße


    Michael KRAUß

  • Hallo Lars Heidrich,


    in evangelischen Landen kann man n i c h t davon ausgehen, daß "Eheschließungen immer sonntags stattfanden".


    Freundliche Grüße vom Rhein

  • Hallo
    ..hatte ich aber auch mal beschrieben:


    Dieser Kalender (Gregorianischer) wurde zu unterschiedlichen Zeiten eingeführt:
    Holland, Köln, Münster,Jülich Cleve Berg , Tirol, Würzburg, Österreich, Oberelsass alle Ende 1583, Ostpreußen 1612, Lausitz, Schlesien und Westfalen (Hzm) 1584, Hzm Preußen 1612, Osnabrück 1624, Minden 1630, Dänemark 01.03.1700 (sowie auch einige Provinzen der Niederlande; Groningen, Friesland, Overijssel Ende 1700), England 1752, Schweden 1753. Protestantische Reichsstände 01.03.1700 gilt für die meisten Territorien wie z.B. Hessen/ Darmstadt, Pommern, Brandenburg, Sachsen ? oder Hannover. Einige prot. Reichstände führen 1700 wenigstens den sogenannten verbesserten Kalender ein. Die Protestanten wehrten sich lange gegen die Einführung des Kalenders, da sie fürchteten, der Papst könne Einfluss auf ihre Kirchen nehmen. Erst 1776 wurde in Deutschland der Gregorianische Kalender verbindlich. Trotzdem hat das Bistum Augsburg ihn erst am 24.02.1783 !! eingeführt (Stadt Augsburg am 16.10.1583). Im 30 jährigen Krieg galt: Wer das Sagen hat, bestimmte auch den Kalender. Es gibt Ecken in Kurmainz, die um 1630 den julianischen Kalender benutzten.

  • Hallo,


    durch Schlumpfs Ausführungen habe ich gelesen, das der Gregorianische Kalender zu unterschiedlichen Zeiten eingeführt wurde. Heißt das ich muss z.B. in Ostpreußen alles was vor 1612 ist in die heutige kalendarische Form umrechnen? Wie macht man das und gibt es eventuelle Literatur etc., die für das Umrechnen notwendig ist?


    MfG

    Viele Grüße,
    Kolonistenforscher


    "Von Natur aus sind die Menschen fast gleich; erst die Gewohnheiten entfernen sie voneinander."
    (Konfuzius, verm. 551-479 v. Chr.)

  • Hallo Ninetales


    Vielleicht ist ein praktisches Beispiel nicht schlecht.


    Wir nehmen an, in Wormditt und Schippenbeil sei am 3. Sonntag nach Trinitatis im Jahre 1603 ein Kind getauft worden.
    Wormditt/ Ermeland war damals polnisch. Polen führte aber schon 1583 den Gregorianischen Kalender ein. Ostertag war 1603 der 30. März. Demnach war der 3 Sonntag nach Trinitatis 1603, der 15. Juni 1603.
    Schippenbeil war aber Hzm Preußen. 1603 galt dort aber der Julianische Kalender. Nach dem julianischen Kalender war Ostern 1603 der 24. April. Demnach war der 3. Sonntag nach Trinitatis der 10. Juli 1603.
    ..jedenfalls würde ich diese beiden Tage in den Stammbaum eintragen. Man rechnet doch auch nicht andere Tage um. Man stelle sich mal vor, der Luther (*10.11.1483) würde einen neuen Geburtstag zugesprochen bekommen.

  • Moin,


    da die Genealogie ja auch eine historische Hilfswissenschaft ist, würde die ich die Daten unbedingt im Original belassen und nicht umrechnen, da man ja sonst die Quelle falsch wiedergibt.


    Ich denke man kann vielleicht in Klammern dahinter erwähnen, nach welchem Kalender der Eintrag getätigt wurde.


    Gruß


    Benny

  • Hallo Schlumpf,


    danke für das tolle Beispiel! Jetzt verstehts auch der Dümmste! :D


    MfG

    Viele Grüße,
    Kolonistenforscher


    "Von Natur aus sind die Menschen fast gleich; erst die Gewohnheiten entfernen sie voneinander."
    (Konfuzius, verm. 551-479 v. Chr.)

  • Quote

    Original von Ninetales
    Heißt das ich muss z.B. in Ostpreußen alles was vor 1612 ist in die heutige kalendarische Form umrechnen? Wie macht man das und gibt es eventuelle Literatur etc., die für das Umrechnen notwendig ist?


    MfG


    Hallo Ninetales,


    für die Umrechnung vonm Julianischen in den Gregorianischen Kalender habe ich ein Programm, dass nennt sich GENTOOL, aber frage mich bitte nicht woher ich es habe. Versuche es doch mal mit GOOGLE, vielleicht wirst Du dort fündig.


    Gruß! Lars

  • Guten Tag

    Quote

    Original von Lars_Heidrichfür die Umrechnung vonm Julianischen in den Gregorianischen Kalender habe ich ein Programm, dass nennt sich GENTOOL, aber frage mich bitte nicht woher ich es habe.


    Das Programm Gentools findest Du unter http://www.schloeder.net
    Es ist in der Version 5.55 Freeware. Um den vollen Funktionsumfang nutzen zu können, mußt Du Dich aber per EMail registrieren. Den Freischaltcode bekommst Du dann kostenlos per Mail zugeschickt.
    Ab der Version 6 (Vista fähig) soll es dann kostenpflichtig werden.
    Gruß Hugo

  • Hallo ihr Helferlein,


    danke für den Link, dann werd ich mal sehen, was sich damit alles so ausrechnen lässt! :danke:


    MfG

    Viele Grüße,
    Kolonistenforscher


    "Von Natur aus sind die Menschen fast gleich; erst die Gewohnheiten entfernen sie voneinander."
    (Konfuzius, verm. 551-479 v. Chr.)