• Guten Abend,


    seit gestern bin ich im Besitz der Totenzettel meiner Ahnen, natürlich nicht alle aber mit 38 Stück doch eine stattliche Anzahl.


    Ich halte damit zum erstenmal in meinem Leben Totenzettel in der Hand und habe dazu einige Fragen.
    Wie bekommt solche Totenzettel ?
    Liegen die beim Trauergottesdienst in der Kirche aus ?
    Oder werden die verteilt, für jeden einen ?
    Wurden die etwa im Schaukasten der Kirche verwendet und nach der Beerdigung wurden sie wieder herausgenommen ?


    Im Vergleich zu den heutigen Todesanzeigen erzählen Totenzettel fast die ganze Lebensgeschichte des Verstorbenen und nenen die wichtigsten familiären Eckdaten.

    Gruß
    Michael Lauffs
    Aachen, Eschweiler, Stolberg
    ICQ# 48430007
    www.Lauffs.de

    Man sollte eine Dummheit nicht zweimal machen, es gibt doch so viele davon.

  • Hallo Michael,


    diese Totenzettel bekam und bekommt man bei uns nach dem Trauergottesdienst, vor der eigentlichen Beerdigung, am Kirchenausgang steht ein Körbchen, in dem sie liegen. Jeder der möchte, kann sich eins nehmen.
    In der Region Fulda steht dieses Körbchen in der Aussegnungshalle, vor dem Sarg. Nach dem Erweisen der letzten Ehre nimmt man sich eins.
    In Österreich ( in der Region Kärnten) wird mit den (meistens DinA 4 große Seiten) Partenzettel der Tod der Perrson den Verwandten und Freunden angezeigt, also nach dem Tod per Post verschickt, es wird darauf auch der Tag und Ort der Beerdigung genannt.
    In den Schaukästen der Kirche habe ich noch nie solche Sterbebildchen gesehen.
    Heute sind diese Totenzettel sehr sachlich geworden, man findet fast nur noch das Geburts- und Sterbedatum, sonst nichts.


    Gruß Marlies

  • Hallo Michael,


    ich kenne diese vor allem aus Holland.
    Hier findest Du weitere Infos:
    Totenzettel
    Aus dem Ruhrgebiet kenne ich die Totenzettel (Sterbekärtchen, Sterbebildchen wurden sie genannt) in der nur Text-Fassung. Aus Holland kenne ich diese wesentich größer und mit dem kurzem Lebenslauf des verstorbenen. Oft werden auch die wichtigsten Ereignisse aufgeschrieben und fast immer sind sie in Holland mit einem Bild versehen. Im Ruhrgebiet kenne ich das so, dass die Totenzettel in der Leichenhalle oder in der Kirche auslagen und jeder der wollte nahm sich einen Zettel. In Holland läuft eine Beerdigung ein wenig anders ab, da stand jemand vom Beerdigungsinstitut und beim herausgehen aus der kleinen Kirche verteilte er diese.
    Ich weis das meine Großmutter im Ruhrgebiet diese gerne sammelte und sehr viele hatte, auch aus der Familie. Leider sind die alle verschwunden. Ich finde das ist eine gute Quelle. Über den Zweig aus Holland konnte ich viel erfahren durch die Totenzettel. So kam ich erst darauf, dass die dritte Frau meines Großvaters Geschwister hatte, die in Canada leben.


    schönes Wochenende
    Thomas

  • Bei uns im Münsterland sind Totenzettel bis heute üblich und werden bei den Trauergottesdiensten verteilt. Als Lesezeichen im Gebetbuch überdauern sie oft Jahrzehnte. Ich habe eine kleine Sammlubg von meiner Mutter bekommen.


    Allerdings ist es völlig unterschiedlich, wie informativ die Zettel sind. Es reicht von den reinen Lebensdaten mit einem Spruch oder Gebet bis zu detaillierten Lebensläufen.
    Ich bin in einer Druckereifamilie aufgewachsen und hatte deshalb viel mit den Totenzetteln zu tun. Die Ausführlichkeit war wohl zum einen eine Frage, ob trauernde Familienangehörige den Nerv hatten, den Text zu verfassen, zum andern finden sich längere Texte praktisch nur auf doppelseitigen Totenzetteln zum Falten und dies inclusive der längeren Texte war natürlich auch teurer.
    Es gab ein gutes Dutzend verschiedener Motive in farbig oder schwarzweiß - also Blanko-Totenzettel, die dann entsprechend bedruckt wurden.
    Totenzettel mussten ja immer auf die Schnelle hergestellt werden und andererseits in relativ kleiner Auflage. Ich erinnere mich gut, dass sehr häufig unser Setzer- und Druckermeister auch samstags oder sonntags kam, um die Totenbriefe und Totenzettel zu setzen und zu drucken, damit sie rechtzeitig fertig wurden. Die Briefe mussten ja praktisch am nächsten Tag spätestens verschickt werden, damit die Verwandten zur Beerdigung kommen konnten. Die Totenzettel waren dann nicht ganz so eilig.
    Oft lohnte es nicht, für eine so kleine Menge eine Druckmaschine einzurichten. Dann wurden die Briefe auf einer alten fußbetriebenen Maschische gedruckt, die wir immer noch haben - ein richtiges Museumsstück.
    Heute läuft im Druckgewerbe fast alles über Computer und da gibt es wohl wieder andere Verfahren, die Totenzettel schnell in kleiner Auflage herzustellen.

  • Hallo,
    :banana:
    bei uns in Bayern gibt es die Sterbebilder und die Todesanzeigen in der Zeitung. In der Zeitung erscheinen dann noch die Danksagungen oder auch die Nachrufe.
    Manchmal gibt es die Sterbebilder mit einem Bild des Verstorbenen.
    Vielleicht kann ja Marlies mal ein paar unterschiedliche Sterbebilder hier reinsetzten. Ich habe zwar auch ein paar Sterbebilder, aber leider keine Möglichkeit dazu, die hier reinzusetzen. Mein Sohn hat natürlich keine Zeit dazu, die Freundin ist wichtiger.


    Viele Grüße
    Gudrun
    :computer:

    Edited once, last by gudrun ().

  • Ich habe auch einen Totenzettel mit Bild. Hier ins Forum würde ich die Beispiele ungern setzen, da ich kein Einverständnis der Hinterbliebenen habe.
    Ich stelle sie auf meine Homepage und platziere hier einen Link, falls es Probleme gibt, kann ich die Bilder jederzeit wieder rausnehmen.


    Totenzettel ohne Bild


    Totenzettel mit Bild


    @ Rotraud,


    Ich habe einige Jahre Projekte mit den Heidelberger Druckmaschinen gemacht. Dadurch habe ich Problematiken in diesem Geschäft kennengelernt. im letzten Projekt lieferte ich die Steurungsrechner für eine Mittelformat, 5 Farben Druckmaschine die für kleinere Aufagen gedacht war.

    Gruß
    Michael Lauffs
    Aachen, Eschweiler, Stolberg
    ICQ# 48430007
    www.Lauffs.de

    Man sollte eine Dummheit nicht zweimal machen, es gibt doch so viele davon.

  • Hallo Michael,


    da Du in Aachen forschst wäre es für Dich vielleicht interessant mal dort im Stadtarchiv nach den Totenzetteln zu fragen. Soweit ich weiß haben sie eine Sammlung von Totenzetteln die sie aber noch nicht vollständigt sortiert haben.


    Gruss
    Marieta

  • Ich erlaube mir, meinen Hinweis vom 14. Okt. 2005 zu wiederholen:


    "Die WESTDEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR FAMILIENFORSCHUNG e.V. macht sich derzeit um die Sammlung von Totenzetteln verdient; der Inhalt von 80.000 Totenzetteln ist bereits in Buchform erschienen [siehe http://wiki.genealogy.net/index.php/Totenzettel/Weblinks ]."


    Weitere Angaben zu Totenzetteln findet man über das Feld 'Suchen'.


    MfG

  • Hallo Marieta,


    danke für den Hinweis, genau dort habe ich meine Totenzettel her.



    @Joachim v. Roy,
    die rheinische Totenzettel Sammlung steht mir in Brühl zur Verfügung. Nach den Hauptnamen habe ich sie schon ausgewertet. Die übrigen Namen kommen nach und nach dran.

    Gruß
    Michael Lauffs
    Aachen, Eschweiler, Stolberg
    ICQ# 48430007
    www.Lauffs.de

    Man sollte eine Dummheit nicht zweimal machen, es gibt doch so viele davon.

  • Hallo zusammen,


    folgende Totenzettel habe ich heute auf dem Flohmarkt gefunden.




    Peter Josef Schmitz *22.07.1925 Bonn +25.10.1944
    Philipp Theobald *30.04.1913 Bonn Kessenich +10.04.1943
    Heinrich Wilhelm Winter *11.04.1926 Morenhoven +16.09.1944
    Josef Wolter *09.07.1925 Lengsdorf +21.09.1944
    Paul Ulbrig *05.04.1925 Lengsdorf +10.09.1944
    Sebastian Piel *06.01.1909 Lengsdorf +2.06.1944
    Jakob Bißmann *03.021906 Lengsdorf +30.10.1944
    Ursula Henseler *25.10.1925 Lengsdorf +26.02.1945 Münster




    Wer weitere Informationen oder eine Kopie haben möchte, kann sich bei mir melden


    Grüße Uschi