Ein Findelkind - ist das der Ende?

  • Hallo Mitforscher!


    Ich habe gestern eine sehr äußerst schlechte Nacht verbracht - eine schlaflose Nacht. Ich habe mich vorgestern in einer Mailinglisten in der Eifelliste angemeldet, zumal meine Vorfahren von dort kommen. Ich musste mich auch vorstellen, wie üblich Name, Alter, wann Beginn der Ahnenforschung und in welchem Gebiet. Keine 4 Stunden später meldet sich eine Frau per Mail, und hat Interesse an Daten aus meinem Forschungsgebiet, die nicht zur Eifelliste gehörte. Ich gab ihr meine Daten, sie wohnt auch da, wo meine Vorfahren herkommen. Sie möchte mir unbedingt helfen. Ich habe ihre Hilfe auch dankend angenommen. Es gab ein Mail nach dem anderen, ein Hinweis nach dem anderen. Bis sie das Wort "Findelkind" erwähnte.


    Ich hatte keine Ruhe und wollte unbedingt über das arme "Findelkind" erfahren. Die nette Dame hat mir paar Mails aus der Eifelliste kopiert und siehe da, da kam ein Name vor, die mir sehr bekannt vorkam.


    Mein Alturgroßvater Siegbert Falterbaum wurde im August 1786 zu Steinfeld unter einem Baum gefunden. Tja, das wird wohl der Ende sein, in dieser Linie. :sauer:


    Oder was denkt ihr?


    Viele Grüße
    Silke


    PS: Ich werde mich auf jeden Fall mit dem entfernten Verwandten Falterbaum in Verbindung setzen. Vielleicht kann er mir mehr sagen

  • Tja, wenn das so stimmt, hast du diese Linie an der Stelle abgeschlossen - wobei ich finde, das ist mit 1786 doch gar nicht so schlecht. Ich habe eine Alturgroßmutter, mit der es wohl auch niemals weiter geht.
    Ärger dich nicht zu sehr, frei dich, dass du diesen Zweig bis dort hast und konzentriere dich auf die weiteren Familien, du du hoffentlich noch weiter zurück verfolgen kannst.

  • Hallo Silke,
    eine "sehr äußerst schlechte Nacht" (Welch bewundernswerte Steigerung!), da schlaflos verbracht, würde Ahnenforschung in die Kategorie der u. U. ungesunden Hobbys verbannen :D
    Auch erinnert mich Deine Frage an den Musiktitel" Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei!" 8-)
    Scherz beiseite: Ob Siegbert Falterbaum nun eine Ende ist, kannst nur Du entscheiden!
    Ich sehe ihn auch als Anfang seines Stammbaums! Ob er ein Ende ist, wird hier sicherlich davon bestimmt, ob Du dem offenbar unter Ahnenforschern doch verbreiteten Dogmas folgst, dass Ahnen nur zu betrachten sind, wenn Ihnen biologisch eindeutig Mutter und Vater zuzuordnen sind.
    Ich gehöre der "juristischen" Fraktion an. Siegbert Falterbaum wurde glücklicherweise 1786 gefunden, wurde getauft und von den Finderen oder Dritten an Kindes statt angenommen, er bekam ihren ehrlichen Familiennamen, er war ihr Erbe und damit auch Erbe der Familiengeschichte der Falterbaums. Sie zogen ihn auf, versorgten ihn, kurz: Sie waren zwar nicht die leiblichen Eltern, haben aber auch post mortem moralisch das Recht erworben, sich Eltern zu nennen.
    Für mich wären sie und ihre Vorfahren wiederum auch meine Ahnen. Leider bin ich aber u.a. in Mailinglisten immer wieder Verfechtern der "reinen Lehre" begegnet. Ich bin da anderer Meinung und auch mein PC-Ahnenforschungsprogramm, das z. B. ausdrücklich die Adoption vorsieht!
    Ahnenforschung ist für mich nichts für verbissene Ideologen, auch wenn man allgemein akzeptierten Regeln folgen sollte :!:


    Viel Erfolg bei der Suche nach den Ahnen "Deines" Findelkinds :]
    Detlef Haase

  • Tja, wie Detlef so schön sagte, die Wurst hat zwei Enden. Er hat in der Regel Recht. Wenn man nach seinen leiblichen Eltern suchen würde, wäre das schon beendet. Wenn man nach Pflegeeltern bzw. Adoptiveltern geht, dann geht die Geschichte weiter. Ich bin dafür, dass die Geschichte weitergeht und werde auch so schnell nicht aufgeben. :D


    Grüße Silke

  • Quote

    Ahnenforschung ist für mich nichts für verbissene Ideologen, auch wenn man allgemein akzeptierten Regeln folgen sollte :!:


    Hallo Cilly,


    ich sehe es genau so wie Detlef. Und für mich wäre es auch nicht das Ende der Forschung, sondern ein Grund weiter zu machen. Ich würde es im Forschungsprogramm vermerken. Und mich nun mit den "Eltern" beschäftigen. Freu dich lieber, dass du es erfahren hast. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Findelkinder oder untergeschobene Kinder :baby: als richtige Kinder sich in unseren Ahnenreihen tummeln. Dein wissen macht die Forschung nur lebendiger.




    LG Eve

  • Natürlich kannst du auch bei den Eltern weiterforschen, die haben das Findelkind ja nun erzogen und geprägt und es ist sehr sinnvoll zu wissen, wer die waren.
    Nur denke ich, dass die Familienforschung eben überall an Grenzen stößt. Sei es, dass es durch verschollene Kirchenbücher keine Anhaltspunkte mehr gibt, oder eben vor allem die Unsitte, bei den Taufen nur den Namen des Vaters einzutragen. Wenn ich nicht zufällig andere Quellen oder die Hochzeit habe - schwupp, ist mir ein ordentlicher Zweig meiner Ahnen abgeschnitten. ... Loriots :"Mein Vater war Kirchendiener im westfäischen, meine Mutter ist unbekannt..." ist ja leider für Genealogen ständige Realität! =)
    Ich sehe das mit der Blutsverwandtschaft nicht sooo eng, aber an Grenzen stoßen wir bei diesem Hobby ja sowieso ständig und die muss man wohl oder übel akzeptieren.
    PS: Ich wäre neugierig, ob der Name "Falterbaum" der Name der aufnehmenden Familie ist oder eine nette Neuschöpfung, weil das Kind unter einem Baum gefunden wurde?

  • Hallo,


    soviel ich weiß, bekamen die Kinder oft den Namen des Auffindeortes. Vielleicht war es ein Baum an dem viele Schmetterlinge waren?
    Findelkinder könnten unter umständen doch was mit den Adoptiveltern (wenigsten dem Vater) was zu tun haben.
    Meine Mutter 85 Jahre, erzählte mir, daß Frauen die Kinder von einem verheirateten Mann hatten, die Kinder vor das Haus des Vaters legten.
    Vielleicht war das ja zu der Zeit genauso.
    Ich würde die Adoptiveltern vermerken. Wenn es mich freut auch weiter erforschen.


    Viele Grüße
    Gudrun

  • Hallo,
    Findelkinder wurden meist nach einem Merkmal des Findortes benannt. Wenn sie adoptiert wurden, erhielten sie den Familiennamen der Adoptiveltern. Sicher ist es jedoch nicht, dass sie überhaupt in einer anderen Familie aufwuchsen. Sehr viele Findelkinder wuchsen im Findelhaus, später Waisenhaus auf. Gar nicht so einfach, da Licht ins Dunkel zu bekommen.
    Viele Grüße
    Hina

    "Der Mensch kennt sich selbst nicht genügend, wenn er nichts von seiner Vergangenheit weiß." Karl Hörmann

  • Quote

    ... soviel ich weiß, bekamen die Kinder oft den Namen des Auffindeortes. Vielleicht war es ein Baum an dem viele Schmetterlinge waren?

    Dieser Meinung von Gudrun möchte ich mich anschließen: Wir haben hier bereits gelesen, dass das Kind unter einem Baum gefunden worden ist, das passt also. Ich kenne einen solchen Fall aus der Nachbarschaft: Da wurde der Urgroßvater als Baby an einem Teich gefunden. Er bekam den Familiennamen nach der Fischart, die dort immer geangelt worden ist.

  • Ich bin sehr erfreut, eure Meinungen zu lesen. Ich war gestern aben so schockiert und hab gedacht, das kann doch nicht alles gewesen sein. Aber ihr habt Recht. Man sollte einfach weiterforschen, als sei nie was gewesen. Bei der Ahnenforschung muss man auf alles gefasst sein. Wie gesagt, ich versuche weiterzuforschen.


    Danke euch allen nochmals


    Viele Grüße
    Silke

  • Da ist ja schon eine Menge guter Infos zusammengekommen! Ich finde das Thema sehr spannend!


    Noch eine Idee: Waren die Pflegeeltern vielleicht Juden? Ich habe gehört, dass Juden sich oft um Findelkinder kümmerten, sie aufnahmen und großzogen. So einen Fall habe ich auch in meinen Ahnen (auch Ende des 18. Jahrhunderts). Aber ich gehöre zu den "Verfechtern der "reinen Lehre"" (nix für ungut, Detlef!), die nach der Blutsverwandtschaft gehen, sodass diese Spur für mich leider dort endet.


    Eve S. hat Recht: durch solche Geschichten und Schicksale wird die Forschung erst spannend!


    Ich hoffe, das Thema ist noch lange nicht abgehakt, ich freue mich auf weitere Diskussionen!

  • Liebe Freundinnen und Freunde,
    ich möchte der "schlaflosen Nacht" und damit Silke ebenso wie allen anderen und nicht zuletzt Ditzler danken. Haben alle mir doch gezeigt, wie wichtig und sinnvoll es ist, das Forum zu "bedienen".
    Die Vielzahl der geäußerten Ideen ist mehr als nur interessant, sondern persönlich anregend.
    Und ich fühle mich gefordert, den Begriff des "Verfechters der "reinen Lehre"" nochmals zu erwähnen und zu begründen. Blutsverwandtschaft zur formalen Berechtigung von Verwandtschaftsbeziehungen und damit als Grundlage eigenen Denkens zu erklären, ist absolut zu akzeptieren. Ich kenne aber ernstzunehmende Persönlichkeiten, die dieses Denken zum Dogma der Ahnenforschung erklärt haben. Das lehne ich absolut ab. Deshalb verstehe ich jedoch den Standpunkt von Ditzler, mache ihn mir jedoch nicht zu eigen, worin wir uns sicher einig sind.
    Aber etwas ganz anderes: Falls Siegbert wirklich seinen Familiennamen erhielt, weil er unter einem Baum gefunden wurde, der 1786 in Steinfeld auffiel, weil auf ihm wie auch immer unterschiedliche Falter lebten, dann muss weitergeforscht werden. Ich bin Landwirt, Biologe und Phytomediziner ...


    Eine schöne Nacht
    Detlef

  • Hallo Detlef,


    meinst Du jetzt die Forschung nach der Schmetterlingsart? 8)


    Ich bin auch bereits an solche Grenzen gestoßen: Unehelich geborene Kinder, bei denen nichts über den Vater bekannt ist (wobei ich allerdings in einem Fall einen Verdacht habe, dem ich noch nachgehen werde), verbrannte oder aus anderen Gründen vernichtete Kirchenbücher (von durchziehenden französischen Soldaten gestohlen und in kleinen Schnipseln auf den Feldern verstreut), Kirchenbücher, in denen nur die Vornamen erwähnt wurden („Hinrich wurde copulirt” - mit welcher Frau, hat ja damals ohnehin jeder im Dorf gewusst :rolleyes: ) und so weiter.


    Dadurch lasse ich mir aber keine grauen Haare wachsen. Wenn dort in dieser Linie Schluss ist, kann man wohl nichts machen. Und wenn es sich um ein Adoptivkind handelt (das kommt bei den Vorfahren meiner Frau in einem Fall vor), finde ich es auch interessant, etwas über die Adoptiveltern zu erfahren.


    Wichtig ist es jedoch, in einem solchen Fall eine entsprechende Notiz zu machen und nicht so zu tun als ob diese Eltern die biologischen Eltern gewesen wären.

  • Hallo Mitforscher!


    Ich habe einen Brief an meinen entfernten Verwandten geschrieben, der den Nachnamen Falterbaum trägt und auch ein Nachfahre jener Siegbert Falterbaum ist. Er hatte ja mit seiner Frau 7 Kinder und damit wird wohl ne große Verwandtschaft sein. Ich lasse euch wissen, wenn ich mehr weiß.


    Wir können gerne weiterhin darüber diskutieren. Für mich ist es mittlerweile auch spannend. Ich forsche auf jedenfall weiter.


    Grüße
    Silke

  • Heute habe ich Fax von dem entfernten Verwandten Falterbaum bekommen. Tja - hier ist wohl doch zuende. Er schreibt folgenden Text zu dem Findelkind Siegbert Falterbaum.

    Es ist unklar, ob Siegbert Falterbaum, dem mündlicher Überlieferung zufolge, der Name "Falterbaum" als Familienname zugelegt wurde, weil er unter einem Baum, der mit Faltern besetzt war, aufgefunden wurden sei - bereits als Säugling (nach der Taufe im Steinfeld) nach Ripdorf gelangt ist - oder vor 1811 als junger Mann.


    Es wurde hier ja erwähnt, dass man weiterforschen soll, wenn er in Pflege genommen wurde bzw. adoptiert wurde. Auch das wird nichts bringen, weil Siegbert Falterbaum von seinem Schwiegervater als Baby aufgenommen wurde und damit die Tochter geheiratet hat. Dahin wird meine Forschung führen :sauer:


    Grüße
    Silke

  • Quote

    Auch das wird nichts bringen, weil Siegbert Falterbaum von seinem Schwiegervater als Baby aufgenommen wurde und damit die Tochter geheiratet hat. Dahin wird meine Forschung führen

    Das verstehe ich nun nicht - er ist bei seinem Schwiegervater aufgewachsen? Dann ist diese Familie doch sowieso wichtig für dich, weil es dann doch die Familie seiner Frau und damit auch deine Vorfahrenfamilie ist. Oder habe ich jetzt was missverstanden?

  • Jedenfalls ist bei Familienname Falterbaum Ende! Die Familie seiner Frau trägt den Namen Wassems. Da forsche ich auf jedenfall weiter. Aber nicht mehr bei Falterbaum, dort ist Ende.

  • Ach so... ich würde ja eher sagen: da hat der Name Falterbaum seinen Anfang! Wann hat man schon mal den wirklich ersten Träger eines Familiennamens, der extra für ihn erfunden wurde? Noch dazu ein sehr hübscher Name!
    Ich selbst habe mir abgewöhnt, zu sehr auf Familiennamen zu achten. Die Hälfte meiner Vorfahren, nämlich mein mütterlicher Zweig, trugen eher Hofnamen als feste Nachnamen, das heißt, wenn ich so eine Linie verfolge, wechselt der Name sowieso immer wieder, manchmal von Generation zu Generation.

  • Auch ich gratuliere! Rotraud ist nichts hinzuzufügen. Du bist ein Glückspilz! :thumbsup:


    Detlef